SatirSpiegel im brettl-Format vom 24. November 2017

Hoch-Zeit für Journalisten, Politologen und Satiriker

Wow: Da war aber was los in den vergangen Tagen! Die Ereignisse haben sich geradezu überschlagen, nachdem sie sich zwischendurch eine Auszeit genommen hatten. Lindner als perfekter Hoch-Zeit-Planer. Man sollte ihn weiter empfehlen, doch an wen und wie weit weg? Dabei ist dies kein Grund, zu klagen, vor allem die Journalisten haben reichlich zu tun. Stoff gibt es genug. So ist der Ton, den Marietta Slomka am 20. November in einem Fernsehinterview gegenüber Christian Lindner angeschlagen hat, doch verwunderlich. Der schrille Angriff, der gelegentlich ins Weinerliche rutschte, half eher dem, den sie entlarven wollte. Er konnte dazu im Vergleich eine coole, seinem neuen Image angepasste Professionalität vermitteln. War Slomka so böse, weil sie ihren vorbereiteten Kommentar zum vermuteten Ausgang der Sondierungsgespräche überarbeiten musste? Dabei bieten doch gerade Krisen und Katastrophen eigentlich Stoff für journalistische Sternstunden. In solchen Situationen kann man doch mehr brillieren als bei der Anmoderation einer protestantischen Frühandacht.

Für die Politikwissenschaftler bleibt nicht viel mehr, als den Auszug eines Proseminars zur Institutionenlehre der Bundesrepublik Deutschland zu vermitteln, immer und immer wieder. Bis der letzte es kapiert, welche Möglichkeiten es gibt, den Bundestag aufzulösen und welche zur Regierungsbildung übrig bleiben, oder er vor Langeweile abschaltet. Da hilft es auch nicht, den obersten Schlossherrn im vier, sechs oder mehr Augengespräch zu zeigen, mit dem die Verantwortung für die Stabilität unseres Landes dokumentiert wird, weil diese durch den merkwürdigen Wählerwillen, nach dem übrigens immer noch fieberhaft gefahndet wird, in Gefahr geraten ist. Ein kleines Stück Kreativität wird den Politologen dann doch abgefordert, wenn sie danach gefragt werden, welche Vorteile oder Nachteile der eine oder der andere Weg aus der Krise mit sich bringt. Die Antworten unterscheiden sich in ihrer Aussagekraft aber nicht viel von denen der Normalbevölkerung. Allerdings mit einem Unterschied: Die Terminologie dürfte geschliffener sein.

Die Satiriker werden durch den Wust an Realsatire geradezu überrannt. Ihre Aufgabe ist es, diesen Wust zu ordnen und die Aspekte herauszugreifen, die eine pointierte Auseinandersetzung zuvorderst nahelegen. Brettl-im-blog hat dies durch die folgenden Beiträge versucht.

 

Brettl-im-blog beleuchtet die größte Suchaktion seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland

Wochenlang läuft sie schon die große Suchaktion. Alle Geheimdienste, alle Medien, alle Politikerinnen und Politiker, alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Für entscheidende Hinweise ist eine hohe Belohnung ausgesetzt.

Die Aktion läuft unter dem Code-Wort WOWÄWIWIE also eine Kurzform der entscheidenden Fragen

Wo ist der Wähler Willen und Wie sieht der denn überhaupt aus!!!

Gerade die letzte Frage macht die Suche so immens schwierig. Jeder hat den Täter gesehen, als solchen muss man den Wählerwillen ja bezeichnen, denn er hat das gegenwärtige politische Chaos ja erst angerichtet. Also, wie sieht der Wähler Willen denn aus?

Zeugenbefragungen vermitteln ein verwirrendes Bild, das noch nicht zu einer gesicherten Phantomzeichnung führen konnte.

Martin Schulz behauptet, der Wählerwillen habe die große Koalition abgewählt. Man erschrickt geradezu. Sind CDU und SPD zusammen unter die 5% Hürde gefallen? Nein, sie haben zusammen immer noch mehr als 53% der Stimmen. Da muss sich der Schulz wohl um mehr als eine Kommastelle verrechnet haben. Mathematikbücher hat er damals wohl nicht verkauft, oder in Würselen wird seit seiner Zeit als Bürgermeister anders gerechnet.

Angela Merkel betont, sie habe vom Wähler den Auftrag der Regierungsbildung bekommen, weil sie trotz deutlich wirksamer Schlankheitskur noch die gewichtigste sei, oder weil sie dadurch noch attraktiver geworden ist, oder weil sie sich gar nicht vorstellen kann, nicht mehr Kanzlerin zu sein? Letzteres soll zu einer pathologischen Wahrnehmungsverzerrung führen können, die mit den Jahren deutlich zunimmt.

Christian Lindner nimmt für sich in Anspruch, dass derjenige, der von den Toten auferstanden ist, geradezu prädestiniert sei, als politischer Messias Deutschland in Bewegung zu bringen.

Czem Ödzemir betont mit absicherndem Seitenblick auf seine Patentante Katrin Göring Eckardt, dass den Grünen besondere Bedeutung zukomme, weil ihr Wahlergebnis doch nicht so schlimm ausgefallen sei, wie befürchtet.

Sarah Wagenknecht beklagt in selbstkritischer Manier, dass das Ergebnis für die Linken besser ausgefallen wäre, wenn sich Katja Kipping vom Parteivorstand ein etwas besser designtes Outfit zugelegt hätte. Außerdem kommen revolutionäre Parolen aus einem schwäbischen Mund des Co-Vorsitzenden Bernd Riexinger doch nicht so aufrüttelnd rüber. Unsere Leser und Hörer mögen dies am Beispiel folgenden durch einen Fachmann simulierten Aufrufes für sich entscheiden: „Gell, i mein jetzt mache wir a bissele Revolution aber no net hudle, erscht, wenn Kehrwoch fertig g’macht isch.“

 

Die Spitze der AFD muss zuerst klären, wer gerade überhaupt das sagen hat und recherchiert in den Archiven des Völkischen Beobachters, was überhaupt Wähler sind und ob man sie als solche überhaupt braucht.

Angesichts der sich z.T. widersprechenden Zeugenaussagen stehen sowohl die Geheimdienste als auch die Strafverfolgungsbehörden vor einer wichtigen Entscheidung. Sollen wir eine Falle auslegen und den Täter in flagranti bei einer Neuwahl überraschen? Aber was passiert, wenn er uns wieder entwischt? Oder solle man einfach vortäuschen, man wüsste, was der Wählerwille sei, und einfach jemanden bestimmen, der diesen angetäuschten Willen umsetzt, auch wenn er nicht die Mehrheit hat. Spätestens nach 4 Jahren, bei der nächsten Wahl, wird sich der Wählerwillen dann vielleicht zu erkennen geben. Hoffentlich kommt er dann nicht wie ein Exhibitionist hinter einem Gebüsch vor und erschreckt uns alle, Frauen und Männer gleichermaßen.

Die öffentlich rechtlichen Anstalten stellen derzeit Überlegungen an, zum ersten Mal die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gemeinsam auszustrahlen. Das klassische von Rudi Cerne (ZDF) etablierte Format soll durch Kai Pflaume (ARD) ausgeweitet werden, insbesondere durch Elemente seiner Quizshow „Wer weiß denn so was?“

Außerdem bleibt die Bevölkerung aufgerufen, die Suche nach dem Wählerwillen durch eine erhöhte Aufmerksamkeit zu unterstützen. Wo sind Wählerwillensäußerungen in Ihrem Umfeld zu vernehmen, auch wenn sie noch so leise und im Verborgenen geäußert werden? Sachdienliche Hinweise nimmt gerne jedes Boulevard Blatt entgegen, um diese auszuschlachten und gegebenenfalls auch zu verfälschen.

Letztendlich zeichnet sich noch ein alternativer Ausweg aus der alternativlosen KanzlerInnenschaft ab. Brettl-im-blog ist sich sicher, dass für den Fall, dass es gelingt, fünf Weise der Politikwissenschaft in Deutschland zusammenzubringen, diese folgenden Vorschlag unterbreiten würden: Dreht doch das Wahlprozedere einfach um und lasst die Politiker ihre Wähler wählen! Brettl-im-blog ist in seiner staatsmännischen Verantwortung bereit, hier in gewohnter Manier die Moderation zu übernehmen.

Die ErlöserIn wäre (fast) da gewesen. Geboren in einem Stall von Jamaika

Es hätte so schön sein können und man hätte sich die Geschichte über Jahrhunderte erzählt, wie Maria Merkel die Erlöserin mit dem Namen Koalition auf die Welt gebracht hatte. Ein Ereignis von historischer Bedeutung vor allem im geschichtlichen Rückblick.

Anbetung der Könige, Rogier van der Weyden, Mitteltafel des Columba-Altars auch Dreikönigsaltar genannt, um 1455, Alte Pinakothek, München (http://www.pallottinerinnen.info/index.php?id=1986)

 

Doch die Gegenwart sieht anders aus. Der friedliche Eindruck dieser historischen Stunde der Neuzeit täuscht. Zwei offene Fragen stören die gezeigte Harmonie:

Was beabsichtigt der hinten lauernde Scheuer?

Wo bleibt Lindner? War er von Anfang an nicht dabei und deshalb dagegen?

 

Quelle: Hannoversche Allgemeine 19. Oktober 2017, S. 4

 

 

Brettl-im-blog deckt wieder einmal die Hintergründe auf:

Die wahren Gründe für das Scheitern der Jamaika-Sondierung.

Da hat sich aber der Christian Lindner vor dem Wochenende des 18. und 19. Novembers aus dem Fenster gelehnt und markant den Wählerinnen und Wählern und dem gesamten deutschen Volk das Ende prophezeit: Um 18 Uhr ist Schluss! Wir wissen nicht was ihn hier getrieben hat. Hatte er ein Sparpreisticket für die Bahn, also eines mit Zugbindung? Na gut, Lindner ist ja noch jung genug, um mit seiner Zeit nach 18 Uhr noch mehr anzufangen als bayerische Urlaute zu identifizieren oder Cem Özdemir Fotos vom letzten Türkeiurlaub zu zeigen, damit dieser mal wieder die Heimat seiner Eltern sehen darf.

Da ist ihm aber der Seehofer in die Flanke gefahren. Es kann auch länger dauern bis in den Abend hinein. Vielleicht hat Lindner eines vergessen: Das entscheidende Treffen sollte in der Baden-Württembergischen Landesvertretung stattfinden, und da soll es trotz eines grünen Ministerpräsidenten tatsächlich elektrisches Licht geben.

Und Mutti schweigt. Solange die Kleinen spielen und sie sich nicht zu laut streiten, lässt man sie am besten in Ruhe und man selbst hat Muße, sich in Handarbeit zu üben. Eine schöne Raute kommt ja nicht von alleine, da muss man einiges dafür tun, auch und gerade, wenn man es nicht sieht. Allerdings hat sie sich heimlich an die Schwarzwälder Kuckucksuhr geschlichen und sie kurz vor 18 Uhr angehalten.

Den Grünen war eine lange Nachspielzeit gar nicht so unlieb, verkürzt sich doch damit die Gelegenheit der beiden Flügel vor der Entscheidung auf dem Parteitag am 25. November noch gefährlich heftig zu schlagen.

Die CSU hat dagegen keine Schwierigkeiten mit einem entgegengesetzten Flügelschlag. Hier setzt man eindeutig auf den rechten, auch wenn man sich dadurch zwangsläufig im Kreise bewegen wird, obwohl, wie Generalsekretär Scheuer tags darauf in einem Interview betonte, bei der CSU alles vertikal läuft

Diese Kreise hat nun aber Christian der Lindner zerstört. Dabei war der letzte Zug doch schon längst abgefahren. Erst 4 Tage später ist brettl-im-blog allmählich der Grund für Lindners Auszug bewusst geworden, und zwar als dieses Bild in der Presse erschien:

Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. November 2017 S. 1            Foto: DPA

Hier gratuliert der neue CDU Fraktionschef Dirk Toepffer, langjähriger politischer Kontrahent, auch um

das Amt des Hannoverschen Oberbürgermeisters, dem neu gewählten Ministerpräsidenten Weil (SPD).

Hatte Lindner Angst vor dem Kuss; als Judas? Oder hatte er Angst, von jemanden aus der Sondierungsrunde geherzt zu werden? Von der Merkel, der Göring-Eckardt oder gar dem Seehofer? Hier beginnt für brettl-im-blog der Schonraum der Privatsphäre auch für freie Demokraten, vor allem, wenn sie auf der Flucht sind. Dies müssten doch auch die Grünen einsehen, auch wenn die FDP gerade in der Flüchtlingsfrage eine koalitionäre Einigung blockiert zu haben scheint.

Und zur Entspannung noch ein ganz anderes Thema. Aus der Klatschecke der politischen Personalien

Annette Schavan, wegen des Plagiatsvorwurfs entpromovierte ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Typ strenge Lateinlehrerin, inzwischen als Deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhle zur Ruhe gekommen, sollte nach Plänen Merkels auf dem Stuhl der Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung Platz nehmen. Brettl- im-Blog distanziert sich unverzüglich und mit aller Entschiedenheit von dem Verdacht, dass man dahinter den vorbereitender Schachzug vermuten könnte, Konrad Adenauer doch noch heilig zu sprechen. Also sollte – nach eben diesen bösen Gerüchten – das nachgeholt werden, was schon in meiner Jugendzeit, die die Zeit des  alten Adenauers war, in einem Witz kolportiert wurde.

Adenauer sprach bei Papst mit der Bitte vor, heiliggesprochen zu werden. Der Papst entgegnete ihm, dass dies nur bei Toten möglich sei. Adenauer konterte mit dem Vorschlag, er würde sich in einem solchen Falle scheintot stellen. Der Papst kam ihm daraufhin mit dem Vorschlag entgegen, ihn dann scheinheilig zu sprechen.

Dies ist nun in weite Ferne gerückt und damit muss Angela Merkel eine weitere Niederlage einstecken. Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert soll nun mit diesem Amt betraut werden. Über zwei Grundvoraussetzungen verfügt er: Er ist Katholik und stand laut Wikipedia selbst einmal unter Plagiatsverdacht. Die Ruhruniversität Bochum hat die Beanstandungen damals als „vermeidbare Zitierfehler“ herabgestuft. Als Bundestagspräsident war es ihm dann später erlaubt, von anderen vorformulierte Reden zu halten, ohne die Autoren zu zitieren.

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