SatirSpiegel im brettl-Format vom 31. Juli 2017

SatirSpiegel im brettl-Format vom 31. Juli 2017

Unser SatirSpiegel „brettl-im-blog.de“ hat schon einige Freunde gewonnen, die sich über die neueste Ausgabe freuen und dies auch durch lobende Rückmeldungen zum Ausdruck bringen. Es gibt aber auch genügend Besucher unseres Blogs, die vor allem mich, Lothar Schäffner, als Ideenlieferant und Texter vorsichtig beäugen und manchmal so ganz nebenbei die Bemerkung fallen lassen, dass sie dabei die Ausgewogenheit vermissen. Auf eine schlichte Rechenformel gebracht: „Wenn du die CDU angreifst, musst du dies auch mit der SPD machen“. Unabhängig von dem uns anerzogenen Prinzip, sich nicht über Schwache und Schwächelnde zusätzlich noch lustig zu machen, ist Satire keiner Ausgewogenheit verpflichtet. Sie folgt eigenen Gesetzen:

Unser Kleingedrucktes

Satire funktioniert nicht im Sinne einer großen Koalition. Satire ist per se nicht einer Ausgewogenheit verpflichtet, wohl aber der Aufgabe, Aufklärung zu leisten und zwar an den Stellen, an denen es einen scharfen Blick braucht, deren Notwendigkeit zu erkennen und nach Witz und Esprit verlangt, entsprechende Worte zu finden. Dabei geht es auch nicht um politische Ereignisse, die sich so offensichtlich selbst ins Abseits stellen, dass dies nicht zu übersehen ist, sondern um die versteckten Gefahren für unsere Grundwerte

Satire ist parteiisch, aber nicht im Sinne einer politischen Partei. Sie nimmt Partei für die Beachtung der Grundwerte für unser menschliches Zusammenleben. Dabei gibt es nur drei, mit den Menschenrechten verknüpften Grundwerte, und zwar:

Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit.

Ich meine tatsächliche Werte und nicht solche, über die in unserer Gesellschaft herumgeschwafelt wird. Da schwiemeln Unternehmen über eine Werteorientierung, da verweisen sie auf ihre Firmenphilosophie und wollen nur eines: Geld verdienen. Sogar mein Frisör hatte eine, die musste so klein sein, dass sie auf ein Faltblatt passte, die er seinen Kunden vor- möglicherweise bewusst so getimt – dem Schneiden in die Hand drückte. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat eine vom Bundestrainer verordnete. Dabei sollen sie nur gewinnen. Und selbst Boris Becker hatte eine Philosophie, die ganz putzig klang, wenn sie in den Mund nahm. Da muss er nur aufpassen, dass ihm diese bei der drohenden Insolvenz nicht auch noch von den Gläubige(R)n gepfändet wird.

 

Satire entlarvt und deckt Ideologien auf. Inhaltlich greift die Satire weniger politische Ereignisse heraus, die sich so offensichtlich selbst ins Abseits stellen, dass dies nicht zu übersehen ist, sondern deckt versteckten Vorgänge auf, die ideologische verbrämt werden. Dazu gehört die Entlarvung von Legitimationsversuche, mit der bestimmte Handlungen von Machtträgern zugedeckt werden. Sie spürt Ideologien auf, so z.B. wortaufgebauschte Begründungen, die den Eigennutz hinter mühsam herbeigezerrtem Gemeinnutz verbergen. Ärzte werden ihre Ablehnung gegen Veränderungen der Gebührenordnung, die für sie finanziell Abstriche bedeuten, nicht mit einem geringeren Einkommen begründen, sondern den Zusammenbruch der Gesundheitsfürsorge an die Wand malen und Lehrende allen Versuche, ihren Fachanteil an einem Studiengang mit der Begründung verteidigen, dass ansonsten der Bildungsstandort Deutschland in Gefahr geraten würde. Hier die Decke zu lüften ist berechtigter satirischer Voyeurismus. Dabei ist es auch erlaubt, dadurch zu entlarven, dass man die Larve, mit der man sein wahres Gesicht verdeckt, verzerrt und überzeichnet.

 

Satire ist somit im Raster des politischen Alltagsverständnisses eher links, den Rechten bleibt der Zynismus übrig. Links ist die Satire, weil sie prinzipiell Machtstrukturen kritische beäugt. Zwar wird sie den Sinn von Macht nicht grundsätzlich in Frage stellen, sonst könnte sie ja auch nicht an die Macht der eigenen Worte glauben. Ihr Augenmerk gilt dem Missbrauch von Macht, und dieser droht fast zwangsläufig, da Macht immer danach strebt, sich zugunsten dessen, der sie hat, sich zu verselbstständigen.

Satire spitzt zu durch Pointen und durch markierende Begrifflichkeiten. Die Suche nach Pointen dient sicherlich zu einem großen Teil der Erheiterung eines Publikums, andererseits dient es als Mittel der einprägsamen Entlarvung. Es ist die überraschende Wende in einem Gedankengang, die den Witz zum Witz macht. Und ein solcher lässt sich in dieser komprimierten Form gut von Person zu Person weiter transportieren. Dieses gilt auch dort, wo für ein Phänomen oder eine Person ein Begriff oder eine Wortverbindung geschaffen wird, die kleben bleibt, wie z.B. „Sozialist nach Gutsherrnart“, oder „die Drei-Wetter-Taffe“.

Manchmal siegt, und das muss man als Kabarettist und Satiriker zugeben, die Pointe und wird geradezu zum Selbstzweck. So ist es, wenn die Form hin und wieder über die kritische Funktion siegt. Konkret heißt dies, dass satirische Texte nicht identisch mit dem Ergebnis eines politikwissenschaftlichen Diskurses sind oder dem Genehmigungsverfahren einer Bekenntnisschule unterworfen wurden. Hauptsache es macht sowohl dem Schreiber als auch dem Empfänger Spaß. Den sollten wir uns gönnen.

 

So, das musste mal gesagt und in unserem Kleingedruckten aufgeschrieben werden. Nach diesem kabarettologischen und satirologischen Exkurs nun zu dem Geschehen der jüngsten Vergangenheit.

 

Ab Hamburg wird zurückgeschossen

Vor dem Hintergrund unseres Kleingedrucktem kann es bei den Hamburger Ereignisse um G20 der Satire nicht darum gehen, die Straftaten der Chaoten, ob sie sich Autonome nennen oder dem schwarzen Block zuzurechnen sind, nochmals zu beklagen. Es gilt diejenigen in den Fokus zu nehmen, die auf den ersten Stein der militanten und gewalttätigen Gruppen gewartet haben, um endlich den zweiten und die folgenden werfen zu können, die sie schon lange mehr oder weniger heimlich gehortet haben. Es geht schließlich noch mehr darum, wie dies ideologisch begründet wird. brettl-im-blog deckt vor dem Hintergrund historischer Quellengestützter Erfahrungen folgendes gefährliche Begründungsmuster auf, das sich inzwischen auch die Trainer von Rhetorikseminaren zu Nutze gemacht haben und sich in folgender Schrittfolge zusammenfassen lässt. Mit unserem Bemühen erwarten wir den Effekt, dass Tatsachen, wenn sie unverhüllt voll ausgeleuchtet werden, viel von ihrer verführerischen Wirkung verlieren.

  1. Darstellen einer Situation, die immer bedrohlicher zu werden scheint, um deren Lösung sich jedoch keiner kümmert
  2. Eintritt eines dramatischen Ereignisses (der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt), das Anlass zum Handeln bietet und geeignet ist, andere zum Mitmachen zu animieren bzw. die Akteure ungehindert handeln lassen
  3. Dramatisierende Analyse, die Ansätze zu einer Handlungslösung aufzeigt
  4. Lösungsvorschläge/Endlösung benennen
  5. Persönliche Verpflichtung des Initiators die Lösung voranzutreiben.

 

In den Tagen nach Hamburg sind in den Gazetten und im Internet eine Fülle, von Beiträgen erschienen, die exakt diesem Muster folgen und, wenn dem Leser und Hörer dieser Kommentare dieses Muster bekannt ist und er sogar den nächsten Schritt voraussagen kann, verliert die versuchte Verführung ihre Wirkung und wird sogar ins Lächerliche verzerrt.

Ein Selbstversuch bei einem mir zugespielten Internetauftritt eines Österreichers – dass es nun jemand aus dem Gefilde unseres alpenländischen Nachbarn handelt, ist sicherlich ein bloßer Zufall – hat die entlarvende Wirkung bestätigt.

Dabei hat sein Beitrag die mini-brettl-Weisheit von unserer Ausgabe am 14. Juli vollbestätigt, dass die Erwachsenen ihre eigenen Ausmalbilder in Form von Stereotypen haben. Allerdings hat er diese „Weisheit“ wohl nicht als kritischen Analysehinweis verstanden, sondern eher als Malanleitung. Das Ergebnis ist ein herzerschreckender Versuch, bei dem er alles, was ihm irgendwie als links erscheint in ein stereotypes Gesamt Puzzle zusammenpackt und auf dieses eindrischt. Obwohl er der Meinung ist, dass die linksextremen Chaoten, auf die er in seiner Videosequenz eindrischt, die seiner Meinung nach tiefen Emotionen wie Abschaum und Hass nicht verdient hätten, ist sein Beitrag eine einzige Hasstirade. Er geißelt dabei den von ihm empfundenen Widerspruch, einerseits für den Umweltschutz zu demonstrieren und andererseits „halb Hamburg (mit umweltschädigenden Auswirkungen) abzufackeln“, sich für die Menschenrechte einzusetzen, dann aber wiederum unzählige Geschäfte zu plündern, Stärke zu demonstrieren sich aber unter „Pudelhauben“ zu tarnen. Das ganze aus einem  marxistisch totalitären Denken heraus. Er unterstelle ihnen, dass sie nachher wieder brav bei Vati und Mutti sitzen, die ihr asoziales Leben finanzieren oder von der Gemeinschaft und der Sozialhilfe so getragen werden, dass sie wie die Maden im Speck leben können. Dabei legitimieren sie sich durch eine linke Ideologie, obwohl sie dieses Wort aufgrund ihrer drogenverseuchten Gehirne nicht einmal zu buchstabieren vermögen. Diesen nach seinen Worten dummen Schlägern, Heuchlern, Taugenichtse, die eine Schande für die Gesellschaft und ihre Eltern darstellen, sollten dorthin gehen, wo sie ihre Heimat finden, in eine geschlossene Anstalt.

Mit dem Verweis auf eine Anstalt hat er möglicherweise sogar noch eine brauchbare Richtung angedeutet, allerdings in folgender Alternative. Die Chaoten aus Hamburg, sollten, wenn sie als Straftäter erkannt und verurteilt worden sind, in den Knast. Die Anstalt bleibt somit für alle frei die, wie der Autor, Auffälligkeiten zeigen, die eher einer psychologischen Erklärung bedürfen.

Allerdings bewahrt sich die Satire immer auch ein Fundament an Versöhnlichem. Insofern, darf er zunächst noch in dem offenen Bereich verbleiben, vorausgesetzt er sammelt jetzt nicht schon wieder neue Steine, die er bei Gelegenheit dann als zweite werfen kann.

 

Der wohlinformierte Patient

 

Mini-brettl-Nachricht des Tages

Abschaffung Pferdesteuer: Jamaika Koalition bereitet Abschaffung der Pferdesteuer in Tangstedt, Schleswig-Holstein vor. (Basis Quelle: HAZ 26.7.17 S. 8)

Die Jamaika Koalition in Kiel hat schon erste Beweise erbracht zu welch bahnbrechender neuer Politik sie in der Lage ist. Schwarze, Grüne und Gelbe haben den Entwurf zur Änderung des Kommunalen Abgabengesetzes vorgestellt, nach der die neue erhobene Pferdesteuer der Gemeinde Tangstedt in Kreis Stormann wieder abgeschafft werden soll. Die 150 €, die dies im Jahr pro Pferd ausmacht, erscheinen zunächst kaum erwähnenswert.

brettl-im-blog allerdings verweist in einer scharfsinnigen Analyse jedoch auf die geradezu revolutionäre Dimension, die heute schon Alexander Dobrindt Schweiß und Sorgenfalten gleichermaßen auf die bayrische Stirn treibt. Ihn und die gesamte Bundesregierung treibt die Angst um, dass die steuerliche Messeinheit Pferd juristisch auf Pferdestärke umgedeutet werden kann. US-amerikanische Anwaltskanzleien suchen gerüchteweise schon nach Mandanten für eine Sammelklage.

3 Kommentare

  1. Danke für die scharfzüngige Aufarbeitung der SteinewerferInnen auf beiden Seiten in Hamburg. Schade, dass es uns bisher nicht gelungen ist, eine gewaltbefreite Politik in erster Person zu denken und umzusetzen. Vielleicht ist daran ja wirklich die Hilflosigkeit des Menschen in der kapitalgetriebenen Massengesellschaft verantwortlich, für die er einfach nicht geschaffen ist (siehe dazu das neue Werk von Remo H. Largo: „das passende Leben“). Lehre daraus: Lebensgemeinschaften schaffen!
    Ich freue mich auf’s nächste „Brettl“ und liebe Grüsse aus der Schweiz.

  2. Zu ‚Unser Kleingedrucktes‘:
    Treffender ist Satire kaum zu beschreiben; gratuliere!
    Thomas, jahrzehtelanger Fan der Satire

  3. Gratuliere! Hab auch schon gelacht, was bei mir bei Satire eher selten passiert. Besonders beachtenswert ist die Frische, die der Blog vermittelt. Ich freue mich jedes Mal über die Humorversorgung und die Gelegenheit zum Schmunzeln.

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