SatirSpiegel im brettl-Format „EXTRA“ vom 11. Februar 2018

SatirSpiegel im brettl-Format „EXTRA“ vom 11. Februar 2018

Die Politposse um Martin Schulz und die GroKo, die eigentlich keine große ist.

Wer unsere letzte Ausgabe in den vergangenen zwei Tagen noch nicht auswendig gelernt hat und die Grafiken aus dem Kopf abrufen kann, kann sie sich nochmals vor Augen führen …. -> hier

Falsche Frage, falsche oder richtige Antwort?

Brettl-im-blog gesteht ein: Unsere Frage am 9. Februar 2018, ob der Löwe nun springen wird oder nicht, war aus einer einseitigen, tierschützenden Perspektive gestellt. Sie hat uns fast vergessen lassen hat, dass es der Dompteur selbst ist, der sich eigentlich in Gefahr befindet. Wegen ihm halten wir im Zirkus ängstlich den Atem an. Was passiert, wird er vom Löwen gar verletzt oder sogar aufgefressen wird? Oder verbrennt er sich lediglich am brennenden Reifen die Finger?

Jetzt ist es passiert! Was konkret, kann man erst nach einer ausführlichen zeitgeschichtlichen Obduktion feststellen. Nur eines weiß man nach dem derzeitigen Stand der Dinge: Der Dompteur musste die Manege verlassen. Aber er konnte dies wenigstens aus eigener Kraft. Nun gut, ein wenig nachgeholfen hat man da sicherlich schon.

 

Auch aus solchen Possenstücken kann man Lehren ziehen

Pädagogen – und gerade von denen sind die Satiriker ja nicht allzu weit entfernt – predigen schon seit Jahrhunderten, dass der Mensch zwar nicht unbedingt aus Fehlern lerne, dies aber zumindest grundsätzlich könne. Katastrophen zwingen sie dann sogar dazu. Dieser Weisheit wollen wir uns beugen und wenigstens drei satirisch formulierte Lehrsätze ableiten.

1. Ein Rollenwechsel gelingt nur Profis

Wenn

  • Till Schweiger einen Bösewicht nuschelt
  • Rolf Zacher statt einen Gauner einen netten Naturburschen mimt
  • die Schöneberger eine Elfe tanzt
  • Luis Trenker den Hamlet auf die Bühne bringt

ist dies genauso von Misserfolg gekrönt, als wenn

  • ein Parlierer sich als Macher versucht oder
  • der mehrsprachige Europadiskutant Schulz den politischen Manager markiert

Also konnte die Sache mit Schulz eigentlich nur schief gehen.

2. Politiker müssen Sicherheitsschuhe tragen.

Nicht nur Politiker bedienen sich Phrasen, wenn sie ihr Handeln begründen wollen, auch Journalisten, die das politische Geschehen kommentieren, tun dies. Spitzenreiter der letzten Stunden und Tage ist die Metapher: „Martin Schulz sind seine eigenen Worte auf die Füße gefallen“. Insofern ist die Forderung von brettl-im-blog nach Sicherheitsschuhen für Politiker längst überfällig.

Aber: Welche Worte waren denn so gewichtig? Diese Frage ist gerechtfertigt, da Martin Schulz sehr viele Worte formuliert, auch wenn er nach solchen gar nicht gefragt wird. Und wenn er dann doch von den gemeinen Journalisten ganz hinterrücks auf eine klare Antwort festgelegt wird, fällt er auch noch darauf herein. Nicht, weil er das politische Spiel nicht kennt, sondern es im Notfall einfach nicht beherrscht. Taff, standfest und unverrückbar will er auftreten. Mannhaft, klar und entschieden, geradezu schneidig und selbstverständlich spontan, weil er das Ganze sofort überblickt. Während die darum so oft gescholtene Angela mal darüber schläft oder noch besser die anderen einschläfert. Die eigentliche Frage ist nicht die der Redlichkeit eines Martin Schulz, sondern die Ungeschicklichkeit, sich auf ein solches Spiel überhaupt eingelassen zu haben.

Zur historischen Redlichkeit: Am Wahlabend, dem 24. September 2017, kündigt Schulz die Zusammenarbeit mit der CDU/CSU auf und bekräftigt dies mit den Worten „ich habe der SPD-Parteiführung deshalb heute Abend empfohlen, dass die SPD in die Opposition geht“. Und er betont „ich sage dies in aller Klarheit. Ich bin angetreten, um die bisherige Regierung und die bisherige Bundeskanzlerin abzulösen. Das ist der Grund, warum ich in diese Regierung nicht eingetreten bin“. Und er wird noch deutlicher auf die Nachfrage des Welt-Reporters Daniel Friedrich Sturm auf einer Pressekonferenz am nach folgenden Tag, indem er wortwörtlich betont: „In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten!“

3. Wie werden aus Verlierern doch noch Sieger werden? Ganz einfach durch Selbstmord des Gewinners

War das ganze Theater um den Verzicht von Martin Schulz eine Inszenierung, die von etwas ganz anderem ablenken soll, von dem Drei-Ämteropfer, das die CDU erbracht hat? Immerhin hat Mutti Angela ihre quengelnden Bälger rechts und links so gut versorgt, dass für sie selbst kaum mehr etwas anderes übrig bleibt als das Image, für die nächsten Jahre eine sich aufopfernde Mutter zu sein. Oder handelt sie vielleicht nur nach dem Motto: „Wo es ohnehin nichts gibt, muss auch nichts verteidigt werden.“

Oder ist der Amtsverzicht von Martin Schulz nur der Auftakt zum politischen Suizid der gegenwärtigen Politikergeneration?

Wir werden sehen und hören, und brettl-im-blog ist zeitnah dabei!

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