SatirSpiegel im brettl-Format vom 4. März 2018

„ Bätschi, ihr Zwerge“.

 „Bätschi, ihr Zwerge“. So haben die Satire-Macher in der neuen parlamentarischen Diskussionskultur uns Satire-Schreibern die Zunge rausgestreckt. „Wir Satire-Macher lassen uns von Euch Schreiberlingen nicht vorschreiben, wie wir Satire machen“. Also haben sie das Tableau für die in Planung befindliche GroKo über den Haufen geworfen und damit auch unsere Vorplanung von brettl-im-blog. Dabei hatten wir schon einen Plan für den Einstieg von Brettl-im-Blog nach der endgültigen Entscheidung für eine Neuauflage der GroKo. Und den lieferte wieder einmal Klaus Stuttmann.

Quelle: www.stuttmann-karikaturen.de/karikatur/6633

Gut, ausgefüllt wird der von Martin Schulz freigemachte Platz ja inzwischen schon. Allerdings wird es schwer sein, sein ideales Karikatur-Gesicht zu ersetzen. Außerdem kann unsere Andrea die Botschaft dieser Karikatur nicht so ganz rüber bringen. Zwar sieht man ihr es nicht mehr an, dass sie mal Juso-Vorsitzende war und versucht hat, einem gestandenen sozialistischen Haudegen wie Franz Müntefering das Fürchten zu lehren. Aber Schritte in die Perspektivrichtung Lebensmitte und was danach kommt, sind durchaus schon erkennbar. Ob sich die rein arithmetische Verjüngung nun tatsächlich gegen die Intention der Karikatur auswirkt, bleibt abzuwarten. Sozialisation – und vor allem politische – ist ein Prozess, der manchmal die wunderbarsten Wendungen mit sich bringt. Auch der Hosenanzug verrät schon Anpassungsprozesse und die bunten Farben verstärken diesen Eindruck. Vielleicht wächst ihr auch unter den dreien die Rolle der Physiotherapeutin zu. Merkel und Seehofer gemeinsam im Bewegungsbad, vielleicht ist es das, was Dobrindt unter konservativer Revolution versteht.

Aber was ist mit Schulz? Zweifellos wurde er gemeuchelt und dies von einem einfachen Mitglied der KiSos in Goslar, also einem Mitglied der dortigen Gruppe der Kindersozialisten mit dem Namen Marie, deren Familie ein Ungemach ins schön gestylte Haus steht, das anlässlich des Besuches des türkischen Außenministers in den Gazetten abgebildet war. Dem Familienvater droht nun Arbeitslosigkeit obwohl gerade höchst aktuell im Koalitionsvertrag die sachgrundlose Befristung von Arbeit erschwert werden soll. Wahrscheinlich droht der Familie Gabriel Lebensmitte-Armut, zumal die Mutter als Zahnärztin ohnehin von der Hand in dem Mund lebt.

Nachdem ihm in Politikerkreisen seine eigene Tochter den Genossen Martin als Mann mit den Haaren im Gesicht madig gemacht hatte, ließ die Warnung in den Gazetten nicht auf sich warten, er solle sich nun aber vor der Frau mit den Haaren auf den Zähnen in Acht nehmen.

Und Schulz, wie hart wird ihm noch das Schicksal beuteln? Brettl-im-blog ist sich seiner Verantwortung gerecht und will hier helfend zu Seite stehen mit einem lebenspraktischen auf Martins Biographie zugeschnittenen Rat: Gehen sie zurück in ihren Buchladen, und da ihre Bücher während ihrer politisch aktiven Zeit sicherlich veraltet sind, deklarieren Sie ihn als Antiquariat. Und schon sieht die Welt angesichts des Kollegen aus Münster mit dem Namen Georg Wilsberg wieder rosiger aus. Falls der Buchverkauf nicht so richtig läuft, können Sie es ja dann auch mit der Nebenbeschäftigung als Privatdetektiv versuchen. Unterstützung bei dieser Tätigkeit müssen Sie nicht bei einer einfachen Kriminalkommissarin suchen, sondern beim Justizminister selbst. Und selbst wenn das formale Format ihres tollpatschigen Widersachers von Overbeck zu Dobrindt oder Scheuer wechselt, brauchen Sie diese auch nicht zu fürchten. Maas ist zweifellos schlauer als diese beiden, oder sieht wenigstens so aus.

 

 

Wehe Wehrbereitschaft

 

Der Marsch durch die Institutionen wirkt

Auch wenn die Rechten z.Zt. auf dem Vormarsch scheinen, haben sie keine Chance. Die Linken haben die Macht und zwar auf eine subtile Art und Weise. Ihre Strategie des Marsches durch die Institutionen wirkt und wirkt. Und das ohne lautes Gebrüll und ohne physische Gewalt, ganz einfach durch die Macht der Bürokratie.

Haben all die Demonstrationen gegen die Aufrüstung in den 80er Jahren ihre sichtbare Wirkung verfehlt, dringt sie nun durch die Ritzen des politischen Alltags. Bester Beweis: Der Bericht des Wehrbeauftragten im Februar 2018.

Politisch gut gemeinte Proklamationen würden nichts besser machen. Danach ist die Materiallage der Bundeswehr in den letzten Jahren z.T. noch schlechter statt besser geworden. Zur Jahreswende sei keines der 6 U-Boote einsatzbereit gewesen. Das gilt auch für die 14 in den Dienst gestellten Airbus-Transportflugzeuge. Mangelwirtschaft und fehlende Ersatzteile sind eine der Hauptursachen. Dazu gehören auch komplizierte Beschaffungswege. Auch im Personalwesen herrscht ein Defizit. Tausende von Dienstposten von Offizieren und Unteroffizieren seinen nicht besetzt. Allerdings gibt es doch noch einen Trost: Blech für das Lametta, die die Uniformen der Offiziere schmücken, gibt es anscheinend noch genügend.

Quelle: HAZ-Artikel vom 24. Februar 2018, S.8

Falls das Ordensmaterial doch nicht ausreicht, könnte man wie derzeit üblich verfahren, indem man sich das notwendige Material, wie der Wehrbeauftragte berichtet, bei anderen Einheiten ausleiht. In Falle der Orden wäre allerdings eine Anleihe im gegnerischen Lager geeigneter.

 

 

Kompensation der organisatorischen und technischen Mängel
durch ein zugewandtes, achtsames Führungsverhalten wirkt nicht.

Die Ministerin selbst hat es versucht. Doch leider kam sie auch hier zu spät.

Die wegen ihrer verbalen Schnellschüsse nicht von ungefähr zur Verteidigungsministerin ernannte Ursula von der Leyen hat es versucht. Doch leider kam sie auch hier wie so oft zu spät, obwohl der Fototermin in ihrer Heimat Hannover stattfand. Die Gründe für ihre Verspätung lassen sich nur vermuten, könnten aber in der Wahl der richtigen Kleidung liegen: korrekt, doch nicht zu förmlich, eher sportiv und der gegenwärtigen Lebenssituation der Soldaten angemessen. Und außerdem, das Drei-Wetter-Taft musste aufgebracht werden, damit die Frisur auch auf dem Felde sitzt.

Von der Leyen bemüht sich redlich, ihr Image bei der kämpfenden Truppe zu verbessern, indem sie Nähe zeigt. Eine Maßnahme liegt darin, die Soldaten persönlich zu wecken. Es gibt nun doch eindeutige Hinweise dafür, dass ihr dies bei der vorliegenden Aktion aus den oben genannten Gründen misslungen ist. Wie alle sehen können, waren die Soldaten nicht nur deutlich wach, sie waren auch schon geschminkt.

Quelle: HAZ-Artikel vom 21. Februar 2018, S.4

 

 

Olympisches Beichtgebet

 

 

Oh Du Geist der 68er, ob männlich, weiblich oder einem alternativen Geschlecht zugehörig. Ich habe gesündigt, ohne es zu wissen und anfangs auch, ohne es zu wollen: Ich habe Olympia geschaut! Natürlich weiß ich, dass dies allein noch keine Sünde ist, wohl aber das, was ich dabei empfunden habe. Ich habe mich über Sieger und für diese gefreut. Ich habe mich besonders gefreut, wenn deutsche Athleten gewonnen haben. Zwei Sünden waren dies auf einmal: Zum einen die Freude mit denen, die besser waren als andere und zum anderen, wenn sie meinem Land angehörten. Das ist doppelter Verrat: Es widerspricht dem Gelöbnis nach Solidarität, dem ich mich seit jener Zeit verpflichtet fühle, genauso wie der Verpflichtung, nationalem Egoismus zu widerstehen. Es ist ein Vergehen gegen meine Überzeugungen der Vergangenheit, in der ich z.B. auf dem Festival der Jugend in der Dortmunder Westfalenhalle mit Tausenden anderen ein Hoch auf die internationale Solidarität aufgebracht habe. Es widerspricht dem pädagogischen Impetus, der Hilfsbereitschaft den Schwächeren gegenüber. Und es widerspricht im Grunde auch dem Olympischen Geist, der das „Dabei Sein“ als höchstes Glück von Olympia preist.

Und was habe ich empfunden, als im Langlauf ein Läufer strauchelt und schließlich stürzte, was habe ich gespürt als der Slalomläufer an dem gesteckten Tor vorbei fuhr und der Rodler die Bande so stark touchierte, dass er wesentlich an Zeit verlor? Habe ich vor meinem Fernsehgerät aufgeschrien, in dem unsinnigen Bemühen, den Konkurrenten zuzurufen, sie sollten auf den Gestürzten warten, damit auch er rechtzeitig den Weg ins Ziel findet? Habe ich unverzüglich an der Formulierung einer Regeländerung gearbeitet, die es dem Slalomläufer ermöglicht, einen zweiten oder vielleicht sogar dritten Versuch zu starten oder unten noch ein extra Tor anzuhängen, das er zur Kompensation bewältigen kann oder habe ich meine eigene Zeitmessung gestartet als der Rodler Zeit verlor?

Nein, ich habe es hingenommen! Und – oh Geist der 68er – es hat mir sogar gefallen, wenn dadurch mein Sportler oder meine Sportlerin einen Vorteil hatte. Hatte ich beim Biathlon den Fernseher beim Schießen ausgeschaltet, da ich im Grund genommen Pazifist bin? Nein. Nichts davon ist übrig geblieben, was wir unserer nachfolgenden Generation beizubringen versucht haben. Nichts davon ist übrig geblieben, von unseren Vorstellungen, die Chancengleichheit durch eine besondere Förderung derer verwirklichen zu wollen, die es von vornherein schwerer haben.

Und was machten die Elite geilen Reporter: die interviewten ausschließlich die Sieger. Die danach liegenden wurden kaum mehr beachtet. Allenfalls die 4.-Platzierten als die, die knapp an einer Medaille vorbeischrammten, gerieten noch als tragische Helden in die Schlagzeilen. Statt Lernentwicklungsberichte für alle gab es eine Preisverleihung für wenige Klassenbeste. Der 20. oder 30. Platz fand keinerlei Beachtung mehr. Es sei denn, es handelt sich um einen gestürzten Halbgott oder um einen Exoten aus einem ebensolchen Lande. Wie bunt sahen doch die Sportler aus Togo oder Eritrea aus, das zum ersten Mal dabei war. Wenn der nicht in dem „Kulturteil“ der Berichterstattung Platz fand, in dem die Internationalität bebildert werden sollte und der Staub von der eigentlichen olympischen Idee geblasen wurde. Ganz kühne Ideologen haben bisweilen an der Assoziation gesponnen, dass die olympische Idee schon so eine Art Vorläufer der Inklusion gewesen sein könnte.

Gegen diese Idee habe ich gesündigt und nehme die verheißene Buße mit geradezu masochistischer Freude auf mich. Ich werde in Zukunft keine Leistungen mehr vergleichen, ich werde nicht zwischen den Schlauen und weniger Schlauen unterscheiden und Menschen danach beurteilen, ob sie etwas besser können als andere. Ich will sie damit nicht einem Verwendungszweck ausliefern und sie zur handelbaren Ware machen. Ich werde mich in Zukunft nur noch um Menschen bemühen, die von den anderen nicht beachtet werden, selbst bei der Partnerwahl. Ich gelobe, ich werde nur noch gut sein. Aber dafür lieber Gott, lass mich als ersten rein, wenn wir alle vor Deiner Himmelstür stehen.

Ich danke Dir, Du bist wirklich der beste Gott, den ich mir vorstellen kann. Ich glaube, wir werden ein gutes Team sein. Du und ich!

 

 

Niedersachsens Häftlinge machen Umsatz

Wie die HAZ am 26. Februar 2018 berichtet, stellen Häftlinge in den niedersächsischen Justizvollzugsanstalten Produkte in einem Umfang von 20 Millionen Euro her. Während man die Produktion von Grills angesichts der Gitterroste an den Fenstern als eine erfahrungsnahe Arbeit deklarieren könnte, handelt es sich bei einem weiteren Produkt wohl um eine zynische Strafverschärfung: Es geht um die Herstellung von maßgeschneiderten Roben für Richter und Staatsanwälte.

Außerdem bieten die JVAs noch unter www.jva-shop.de die Produktlinie „Justiz-Irrtum“ mit Marmelade, Tee und Likör an. Da fällt einem gleich der Spruch ein: “Wer Sorgen hat, hat auch Likör“. Wahrscheinlich können sich die Insassen während ihrer Haftzeit vor Lachen nur krümmen.

Pssst…davon darf Amnesty International nichts erfahren, da Folter (mit einigen kleinen Ausnahmen) weltweit geächtet wird.

 

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