SatirSpiegel im brettl-Format v. 13. November 2018

War der 28. Oktober 2018 nun doch der Schicksalstag, den viele vorausgesehen oder vorausgeschrieben haben? Und wenn ja, für wen: für Angie, für die Bewerber um ihre Nachfolge, für uns in Deutschland, in Europa und für die ganze Welt? Und heute sorgt sich Deutschland und morgen die ganze Welt? Brettl im Blog blickt nach Hessen und erfasst das gesamte Drama in seiner ganzen Dimension, wie sie nur von einem Dichter der Klassik in eine literarische Form gebracht werden kann. Da nach dem Brexit der Königs-Dramatiker Shakespeare ausfällt, haben wir uns Friedrich Schiller zugewandt, der sich in Rangeleien mit der Obrigkeit durchaus gut auskennt. Und wir haben das Ganze versteckt hinter der harmlosen Überschrift

Nach Hessen – Der geteilte Schicksalstag
(Ein bürgerlich-republikanisches Trauerspiel)

Die Erwartungen, ob sich durch die Wahl in Hessen in der deutschen politischen Landschaft etwas ändern würde, entsprachen dem Glauben an das Eintreffen der Wetter-Prognosen – früher, selbstverständlich in der Zeit vor Kachelmann. Sie ähnelten eher der ironischen Bauernregel „Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt, wie es ist“. Also übertragen auf die Politik: „Macht der Wähler zweimal Mist, verändert sich alles oder es bleibt wie es ist“.

Die Ankündigung Merkels einen Tag nach der Hessen-Wahl könnte man als Widerlegung der Bauernregel verstehen, genauso aber auch als eine Bestätigung. Hat uns nicht gerade der Horst aus Bayern mit der gegenwärtigen Dienstadresse in Berlin vorgeführt, dass man es mit einer solchen Ankündigung nicht unbedingt ernst nehmen muss? Unabhängig davon, ist diese Drohung oder das Versprechen der CDU-Vorsitzenden das Startzeichen für all die Protagonisten, die nach ihrem politischen Erbe lechzen. Es wird ein Hauen und Stechen geben, vielleicht nicht so in der Öffentlichkeit wie in Bayern, wo das Fingerhakeln und noch Derberes zum öffentlich zur Schau gestellten Brauchtum gehört. Eher unter dem Tisch, aber dafür umso heftiger.

Brettl-im-blog sieht das Ganze unter literatur-wissenschaftlichen Gesichtspunkten als ein Drama auf großer Bühne, zu dem wir freien Eintritt haben, aber dafür im Nachhinein die Produktionskosten und auch für die Folgen zu bezahlen haben.

Es kann nur eine geeignete Vorlage in angemessener Dramenform geben. Kabale und Liebe, ein bürgerliches oder in politischer Begrifflichkeit ein republikanisches Trauerspiel mit Wurzeln in der griechischen Tragödie. Dabei setzt brettl-im-blog auf eine moderne, eher gesellschaftlich-politische Interpretation des Stückes, wie wir sie aus den 70er und 80er Jahren auf dem Theater kennen, und trennt sich von dem Aspekt der Liebe. Statt hormonbedingtes Irresein, wie der ehemalige Biologielehrer des Autors die Liebe bezeichnete, hin zu einer eine die Kabale tragende machtpolitische Rationalität.

 

Zur Beschreibung des Stückes

Die (veränderte) Handlung:

Luise Miller, aus einfachen Verhältnissen stammend und Lady Milford, eher standesgemäß, streben beide ein bedeutendes Amt an. Beide erhalten Unterstützung von unterschiedlichen Personen, rufen aber gleichzeitig auch Gegner auf den Plan. Der Präsident, Spitzenbeamter am Hofe, unterstützt Lady Milford, weil sie von der Herkunft her seiner Meinung nach für dieses Amt eher vorbestimmt ist. Ferdinand, der Sohn des Präsidenten, setzt sich dagegen vehement für Luise ein, weil er sich aufgrund seines guten Verhältnisse zu ihr einen größeren Einfluss auf das politische Geschehen verspricht. Er wagt deshalb sogar einen Bruch mit seinem Vater. Auch die Mutter steht voll hinter den Plänen ihrer Tochter. Obwohl Lady Milford nach einem Gespräch unter Frauen erwägt, ihr Bestreben zurückzustellen, werden andere gewichtige Gegenspieler umso aktiver. Neben dem schon erwähnten Präsidenten ist es dessen Sekretär Wurm, der im Grunde genommen selbst heimlich nach dem Amte drängt und eine Intrige spinnt. Er zwingt Luise, einen Brief zu schreiben, in dem sie darlegt, dass sie im Grunde genommen kein Interesse hat, die mit dem Amt verbundene Aufgaben zu erfüllen und dieses nur wegen des damit verbundenen Ansehens anstrebt. Als Ferdinand dies erfährt, ist dies für ihn gleichbedeutend mit einem politischen Selbstmord von Luise und ihm.

Hier greift allerdings das Schicksal, in der Theaterterminologie Deus ex machina, ein und zaubert plötzlich einen fast vergessener Rückkehrer aus dem dramatischen Hut. Dadurch gerät die Situation völlig außer Kontrolle. Und der Schluss bleibt offen.

Nach den gegenwärtige Vorstellungen von Correctness vor allem, was die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau (und was es sonst noch gibt) betrifft, die Geschlechterfixierung soweit aufgehoben, dass die Frauenrollen aus Schillers Zeit durchaus auch von Männern gespielt werden können und umgekehrt. Unter solchen künstl(er)i(s)chen Prämissen schlagen wir folgende Rollenbesetzung [1] unter folgender Charakterisierung vor.

Die Hauptpersonen:

Die Rollen, deren Typisierung (vorgenommen nach der traditionellen Schüler-Interpretations- und Lektürehilfe mit dem Titel „Königs Erläuterungen“) und deren Besetzung:                           

Luise Miller (religiös, fremdbestimmt) Annegret Kramp-Karrenbauer
Ferdinand von Walter (impulsiv, egozentrisch) Ursula von der Leyen
Lady Milford (unglücklich, mutig) Angela Merkel
Miller (despotisch, voller Bürgerstolz) Wolfgang Schäuble
Frau Miller (einfältig, unterwürfig) Julia Klöckner
Sekretär Wurm (raffiniert, hinterlistig) Jens Spahn
Präsident von Walter (skrupellos, machtbesessen) Horst Seehofer als Gast
Hofmarschall von Kalb (eitel, dumm) Der Rolleninhaber kann von uns aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich benannt werden

Zusätzliche Rolle:

Deus ex machina (überraschendes Auftauchen einer Gottheit in der griechischen Tragödie) Friedrich Merz

                                                                                                          

­Angela Merkel hat sich für diese Männerrolle der antiken Tradition entsprechend verkleidet. Ganz einfach, indem sie für diesen Auftritt ihren Anzug in der Herren-Konfektions-Abteilung eingekauft hat.

Die Öffentlichkeit ist heute schon gespannt auf die Premiere. Brettl-im-blog und die gesamte Medienwelt spitzt schon die Federn für eine ausführliche Premierenkritik.

 

 

Angela Merkel, die den Anstoß für den Diadochenkampf in der CDU lieferte, hat zwar gesagt, dass sie sich schon im Sommer mit dem Gedanken ihres Rücktritts befasst habe, aber einige der Kommentatoren unseres Zeitgeschehens bezweifeln dies. Brettl-im-blog hat nun durch seine intensiven satirischen Recherchen endlich den Beleg gefunden, dass Merkel schon seit Sommer solche Ideen in ihrem Herzen getragen habe. Dass daraus die sprichwörtliche Mördergrube werden sollte, war anscheinend nicht so gewollt. Unseren Leser und Hörer geben wir die entsprechenden Belege aus ihrer persönlichen Wiedervorlage zur Kenntnis.

Zur Wiedervorlage für den Fall X

Entwurf

Angela Merkel

Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende

Liebe,…

(an wen richte ich diesen Brief überhaupt, an die Parteiführung der CDU, an die Wähler, an den Bundespräsidenten, an den lieben protestantischen Gott oder den Stellvertreter des anderen religiösen Betriebes?)

Mir selbst wäre es nicht in den Sinn gekommen, über meinen Rücktritt nachzudenken, doch die Drängler, wie Jens Spahn, der immer um die Ecke schaut, wenn Ungemach droht, lassen es mir ratsam erscheinen, dies zu tun. Allerdings überlasse ich ihnen nicht kampflos das Feld und schaue, wie sie mein Fell als Parteivorsitzende verteilen, sondern behalte das Heft in der Hand, indem ich wenigstens Einfluss auf die Entscheidung, nehme, wer meine Nachfolge antritt.

Wie manche Mittelständler bin ich leider nicht in der Lage einen Nachfolger aus meiner Familie zu benennen, da ich ja bekanntlich keine Kinder habe, und die Uschi auch nicht bereit war, mir wenigstens eines ihrer sieben zu überlassen. Und aus der Retorte eines zu zaubern, könnte auch mein Chemieprofessor und Ehemann keines, weil es auch das Gesetz nicht zulässt. Bis ein neues kommt, wäre ich möglicherweise schon gemeuchelt. Also greife ich den Rat auf, den mir mein verstorbener Parteifreund und ehemaliger Staatssekretär im Ministerium für Frauen und Jugend, Pastor Peter Hinze, schon vor Jahren gegeben hat. Wende dich an einen Profi für Unternehmensnachfolge und so einen findest du bestimmt unter den renommierten Unternehmensberatern. Letztendlich vor die Wahl gestellt, entweder die Beratungsfirma „Mc Streich Viel“ oder „Roland Beschwörer“ habe mich meiner Sozialisation entsprechend für die letzteren entschieden.

Mein Coach hat mir nun den Auftrag gegeben, einmal in einem persönlich gehaltenen Brief festzuhalten, wie mein Nachfolger bzw. wohl in erster Linie meine Nachfolgerin aussehen sollte. Ich hätte hier zwar ein kleines Brainstorming in meinem Kanzleramt bevorzugt oder das Ganze, wie immer an Peter Altmeier oder an seinen Ruhe ausstrahlenden Nachfolger, den studierten Narkosearzt Helge Braun, delegiert und von diesem einen fertigen Entwurf erwartet. Mein Coach meinte allerdings, dass diese Angelegenheit mit so viel persönlicher Emotion verbunden sei, dass er mir unbedingt empfiehlt, es auf diese Art und Weise mal zu versuchen, es aber nicht auf eine SMS zu verkürzen, was mir persönlich viel lieber wäre. Und da ich ihn ohnehin bezahlen muss, tu ich es.

Also, liebe…Parteifreunde und solche, die es gar nicht sind!

Das letzte Mal, dass ich einen solchen Brief geschrieben habe, war damals in der Schule zum Thema „mein schönstes Ferienerlebnis“. Da habe ich eben wegen der damals beschränkten Möglichkeiten zum wiederholten Mal die Kreidefelsen von Rügen beschrieben und die sozialistischen Heldentaten, diese rein weiß zu halten. Aber meine Nachfolgerin zu beschreiben, gehört nun doch nicht zu meinen schönsten Erlebnissen. Dennoch ich tue es, mit preußischem Pflichtgefühl.

Also, meine Nachfolgerin sollte selbstverständlich eine Frau sein. Sie sollte frei sein von Koketterie und Eitelkeit, also nicht wie die von der Leyen, die immer bemüht ist, auch in Kampfkleidung ihre Zartheit betonen und im Grunde genommen alle zu der erstaunten Frage auffordert, wie hat sie es denn geschafft, 7 Kinder auf die Welt zu kriegen. Sie soll auch ihre Wortbeiträge nicht immer regemäßig mit dem Grinsen beenden, das schon ihrem Vater Ernst Albrecht zu Gesicht stand. So als würde sie die Güte der gerade von sich gegebenen Worte nachgenießen oder sich kurzfristig daran erinnern, dass sie aus einer nach außen freundlichen Familie stammt.

Also besser, eine sachliche Mutter von immerhin drei Kindern mit praktischen Führungsaufgaben nicht nur in der Familie, sondern auch in einem überschaubaren kleinen Staatsgebilde, also kurz: die Annegret mit dem etwas verkrampften Doppelnamen aus dem Saarland

Wenn meine Nachfolge dann doch ein Mann antritt, sollte es nicht ein Basta-Typ sein, so wie es mein Vorgänger als Kanzler vorgelebt hat. Dann doch lieber der fröhliche oder vielmehr fröhlich wirkende Armin Laschet.

Vor allem geht es darum, den Friedrich Merz zu verhindern; es sei denn, ich lege ihm noch ein faules Ei ins Nest und sondiere für den Fall des Bruchs der sogenannten GroKo ein mögliches Bündnis mit der AFD. Damit müsste er sich dann herumschlagen. Oder wäre ihm sogar dieses recht? Wenigsten bliebe dann aber noch die Auseinandersetzung mit Jens Spahn, wer als erster eine Koalition mit der AFD eingeht.

Und wenn sie sich dann wie Kesselflicker um meine Nachfolge fetzen, gibt es noch die Möglichkeit, „Ätsch“ zu sagen und gar nicht zurückzutreten. Allerdings ist es mir nicht zuzumuten, selbst vom Rücktritt zurückzutreten, wie mein Unions-Ur-Feind Horst, sondern von meinen Parteifreunden und auch ehemaligen –feinden angefleht zu werden, meine Ankündigung zurückzunehmen. Und dafür habe ich ihnen schon lange das richtige Argument geliefert: Ich bin einfach alternativlos!

 

Da brettl-im-blog in seinem Bekanntheitsgrad derzeit noch weitgehend auf Deutschland beschränkt ist – Übersetzungen der Satirebeiträge in Russisch, Chinesisch oder Suaheli sind derzeit noch nicht geplant – verharren wir regional und fragen, ob der Aufruf des damaligen Bundespräsidenten Herzog, vor etwas mehr als 20 Jahren, durch Deutschland müsse ein Ruck gehen, nun endlich Wirklichkeit wird, wenn auch phonetisch etwas getarnt als

Ein Rück geht durch Deutschland

Der Rucksack, den die Merkel mit sich schleppte, wurde zu schwer; die Rückführungsfrage und der Rückschlag bei der Hessenwahl ließen ihren Rückhalt in der Partei schwinden. Der Rücktritt als Vorsitzende – oder ist es nur ein angedeuteter Rückzug – wirft nun eine Vielzahl von Fragen auf:

Ist dies eine Rückbesinnung auf frühere Zeiten und damit eine Rückentwicklung der CDU aus einem rückwärts gerichteten Verlangen, der sich später in der Rückschau als Salto zurück erweisen wird?

Bedeutet ihr Rücktritt ein Rückfall in Adenauers Zeiten? Stellt dies einen Rückschritt für die Stabilisierung als Volkspartei dar? Drückt die CDU in ihrer Programmatik die Rücktaste?

Wird das Wenige in der GroKo Erreichte wieder zurückgenommen, bleibt der Rückstau an Reformen weiterhin zurück?

Inwieweit zeigen die in die Nachfolge involvierten Protagonisten Rückgrat?

Bleibt Kramp-Karrenbauer als Rückbleibsel der Merkel‘schen Politik auf dem Rücksitz von Merkel an Bord? Nimmt sie die Unterstützung durch Merkel als Rückzahlung für ihre Loyalität an?

Zeigen die beiden anderen potenziellen Nachfolger Rücksicht?

Macht Spahn einen Rückzieher?

Und dies durch die neue konservative Konkurrenz durch den Rückkehrer Merz, der rücksichtslos rückfällig in seiner rüden politischen Attacke zum Angriff bläst und Merkel in ihren Plänen in den Rücken fällt?

Nutzt er den Rückenwind von vielen Seiten, insbesondere aus Richtung der Anden[i]? Wird er, den viele für eine Leuchte halten, eines Tages als Rückleuchte enttarnt?

Ist seiner Behauptung zu trauen, dass er ohne Rückversicherung und Rückvergütung in die Politik zurückkehrt?

Verspricht er sich und tun es andere auch, es der von ihnen ungewünschten Vorsitzenden und Kanzlerin endlich zurückzuzahlen?

Übrigens, was heißt eigentlich Rücktritt auf Englisch und gibt es dafür im Amerikanischen einen eigenen Begriff?

 

  

Während wir alle gebannt auf das Nachfolgeszenario in der gegenwärtigen Rollenbesetzung schauen malt Klaus Stuttmann sogar als Kassandra den Maaßen an die Wand

Quelle: www.stuttmann-karikaturen.de/karikatur/6895

 

 

[1] Unsere Rechtsabteilung weist ausdrücklich darauf hin, dass die zur Besetzung vorgesehenen Personen, diese Rollen mit ihrer Typisierung nur spielen sollen. Ob der verantwortliche Regisseur seine Auswahl danach trifft, wem er es zutraut, die skizzierten Eigenschaften am besten zu verkörpern, bleibt ihm überlassen.

[i] Eine Anspielung auf den informellen Bund jüngerer, konservativer CDU-Politiker, der auf einem Flug über die Anden in eher angeheiterter Stimmung entstanden ist und sich zu einer Art Männerbündnis entwickelt hat. Dieses steht in Gegnerschaft zu Angela Merkel und wähnt in Friedrich Merz einen Gleichgesinnten.

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