SatirSpiegel im brettl-Format v. 25. Oktober 2018

Der Schicksalstag ist zunächst einmal verschoben

Der in der vorigen Ausgabe angekündigte Schicksalstag ist anscheinend zunächst einmal verschoben. Alle warten nun auf den nächsten, ebenso schicksalshaften Tag – geographisch verortet in Hessen. Brettl-im-blog nutzt die Verschnaufpause, um satirische Schulden aufzuarbeiten, sprich: einige Anmerkungen zu den Vorkommnissen in Bayern zu machen.

Dabei geht es zunächst einmal nicht um die politische Parteienlandschaft, sondern um ein ganz Bayern vereinigendes Phänomen, dem FC Bayern München. Dessen Bosse scheinen einen neuen Schlachtruf vor sich herzutragen:

„Gebt den Bayern den Knüppel in die Hand“

 

„Gebt den Bayern den Knüppel in die Hand, Knüppel in die Hand“. So heißt der neue Schlachtruf der Bayernbosse. Gewissermaßen als Antwort auf den Schmähgesang „zieht den Bayern die Lederhosen“ aus, der ihnen in allen auswärtigen Stadien entgegenschallt.  

Dazu der Solo-Dialog eines typischen Fußballfans, der zwischen Sympathie und Antipathie für die Bayern schwankt, Sympathie bei internationalen Vergleichen und Antipathie im nationalen Wettbewerb

Da haben die Bayern versucht, ihren Gegnern richtig Angst zu machen. Nicht auf dem Platz, sondern auf einer Pressekonferenz. Die Bayern-Oberen – nicht zu verwechseln mit den Oberbayern – also der Präsident und der Vorstandsvorsitzende haben „Medienschelte“ betrieben. So wurde es später in der Presse und auch im Fernsehen genannt. Es war aber mehr. Es war ein Standgericht gegen einzelne Reporter und Journalisten. Die Anklage lautete: Hochverrat!

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, noch bekannt als Kalle Rummenigge, hat aber gewaltig ausgeholt und den Kritikern sogar das Grundgesetz um die Ohren geschlagen. Er hat auch noch Artikel 1 zitiert „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Hätte er diesen Artikel genauer gelesen, hätte er aber auch mitbekommen, dass der Schutz der Würde des Menschen die Aufgabe der staatlichen Gewalt ist und nicht die von Bayern München. Es sei denn, er setzt den Verein mit dem Freistaat Bayern und in bayerischem Selbstverständnis mit ganz Deutschland gleich. Hätte er die Zeit zwischen seiner aktiven Fußballerlaufbahn und seiner Funktionärstätigkeit also so zwischen 1989 und 91 darüber hinaus genutzt und weitergelesen, wäre er wohl auch auf den Artikel 5 gestoßen, der die Pressefreiheit garantiert. Vielleicht wollte er aber durch seine energische Schelte vom Podium aus an die Zeit als junger Fußballer erinnern, als er als Rotbäckchen verspottet wurde und von Franz Beckenbauer eingeschätzt wurde als jemand, „aus dem nie einer was wird“.

Bei dem Geschimpfe hat ihn einer aber noch weit übertroffen. Uli Hoeneß. Uli Hoeneß, der Experte für moralische Fragen. Er fühlt sich geradezu berufen, mahnend den Finger zu heben, wenn moralische Fragen nicht nur im Fußball, sondern allgemein in unserer Gesellschaft anstehen.

Wer könnte nun auch geeigneter sein als der Hoeneß, der sich in dieser Materie durch vielfältige Erfahrungen bestens auskennt. Wer kann schon ein Soziales Jahr oder auch etwas mehr als zwei in einer Einrichtung nachweisen, die für diejenigen da ist, die zuvor die Moral und Gesetz missachtet haben. Damit kein Missverständnis entsteht: Ich meine kein freiwilliges soziales Jahr, sondern ein unfreiwilliges oder sagen wir einmal ein sozial abgesichertes Jahr. Und dabei hat er sogar den Vogel abgeschossen, eigentlich nicht er, sondern die Bundeskanzlerin. Die hat sich lobend darüber geäußert, dass er die gegen ihn verhängte Strafe angetreten hat. Liebe Frau Merkel, ist dies indirekt eine Aufforderung zu einer Straftat? Wenn ich straffällig werde und die verhängte Strafe antrete, werde ich sogar von höchster Regierungsstelle belobigt. Wer kann schon als Beschuldigter von sich behaupten, von ihr gelobt zu werden. Vielleicht Josef Ackermann, dem sie anscheinend zu seinem 60. Geburtstag mit einer Gruppe von Freunden sogar ein Essen im Kanzleramt geboten hat, also eine Belohnung eine Stufe höher, vielleicht auch als Anerkennung, weil ihm (nach juristischem Maßstab) letztlich nichts nachgewiesen werden konnte.

Und dann ist Uli Hoeneß seinem Kumpel Karl-Heinz auch noch in den Rücken gefallen. Hat Rummenigge die Würde seiner Fußballer wie Hummels und Boateng gegen den Vorwurf des „Altherrenfußballs“ unter Berufung auf Artikel 1 des GG verteidigt, beschimpft Hoeneß den inzwischen verkauften Spieler Juan Bernat, dass dieser den FC Bayern „fast alleine aus der Champions League gekickt und einen Scheißdreck gespielt“ habe. Da haben das Präsidium und der Vorstand des Vereins bei ihrem Auftritt innerhalb einer halben Stunde eine Vielzahl von Eigentoren geschossen. In der öffentlichen Sympathie ist der Verein auf alle Fälle um einige Plätze nach hinten durchgereicht worden.

Warum sind eigentlich die Bayernbosse so ungeschickt aufgetreten? Es gibt einen Grund, der typisch bayerisch ist: Das Kreuz. Nicht das von Söder an die öffentlichen Wände Verordnete, keine Angst, die Bayernprofis werden wohl demnächst nicht mit dem christlichen Kreuz auf dem Trikot werben. Dazu hat die Kirche zu wenig Geld oder gibt es für andere wohltätige Zwecke aus als für Leute, die bei Wind und Wetter mit kurzen Hosen auf einem Rasenstück rumrennen müssen und dabei noch von anderen behindert werden. Nicht, dass eines Tages die Stadien nochmals umbenannt werden, z.B. in „Martin Luther Stadion“ – geht sowieso im katholischen Bayern nicht – oder besser: „Maria Hilf Arena“. Es geht um das menschliche Kreuz, vor allem das, in das man fallen kann. Bestes Beispiel Uli Hoeneß: Haben Sie mal gesehen, wie der auftritt? Der fällt vor lauter Selbstbewusstsein so was von ins Kreuz. Scheint eine angeborene Haltung von ihm zu sein. Und dies zum Leidwesen vieler älterer Fußballfans. Wer von diesen erinnert sich nicht an die Europameisterschaft der Nationalmannschaften 1976 im Endspiel gegen die Tschechoslowakei? Im Elfmeterschießen fällt Uli Hoeneß ins Kreuz und schießt übers Tor. Deutschland verliert. Das habe ich ihm nie verziehen und viele andere auch nicht. Vielleicht wäre dies möglich gewesen, wenn er uns nicht immer wieder durch seine Art der Selbstdarstellung auch noch mehr als 40 Jahre später daran erinnern würde. Ach Uli, versuch es doch mal bei Dir alleine zu Hause, am Tegernsee nochmal. Sicherlich geht es dort naturgemäß Richtung Tor bergauf!

Und den Bayern als Verein kann man nur raten: Legt schnell den Knüppel aus der Hand, denn damit verletzt ihr euch nur selbst. Die Drohung „wir lassen uns das nicht mehr gefallen“ läuft ins Leere, weil ihr im Fußballgeschäft keine Sanktionsmöglichkeit habt. Es sei denn, ihr stellt den Spielbetrieb ein oder bedient die Medien nicht mehr. Das wäre aber Selbstmord, denn Fußball und vor allem Bayern München lebt von der Öffentlichkeit. Mit ihrer Drohgebärde erinnern die Bayern-Oberen tatsächlich an Jungs mit kurzen Hosen, die vor Ohnmacht wüste Drohungen ausstoßen und hoffen, dass sich die Gegner davon einschüchtern lassen. Es bleibt aber letztlich doch nur ein Kinderspiel.

Also: Nehmt den Bayern den Knüppel aus der Hand

 

 

Natürlich vergessen wir das zweitwichtigste Ereignis der vergangenen Tage in Bayern nicht. Es waren die Landtagswahlen. Wir achten diesen Mal nicht darauf, was die einzelnen Parteien voneinander trennt, sondern, was sie gemeinsam haben. Nämlich den Versuch, das Wahlergebnis in irgendeiner Weise für sich positiv zu interpretieren oder wenigstens als Erfolg nach außen zu verkaufen. Wer könnte ihnen dabei nicht bessere Unterstützung leisten als die

Agentur für Erfolgsmarketing

 

Kurze Einführungsrede des CEO

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meine Damen und Herren, ich darf Sie als CEO – im vorigen Jahrhundert hätte man dazu vielleicht Geschäftsführer gesagt – ich darf Sie also als CEO herzlich begrüßen und nochmals skizzieren, um was es hier geht und welche Philosophie wir mit unserem Tun verfolgen.

Sie habe ich als ein neues Team zusammengestellt, das in unserer Agentur für Erfolgsmanagement ein völlig neues Geschäftsfeld entwickeln und beackern soll. Es ist das Marketing von politischem Handeln, insbesondere zur Bewertung von Wahlergebnissen.

Endlich haben die Parteien es begriffen, dass die Zustimmung zu Parteien in Wahlen ein Produkt ist, das, wie ein anderes Produkt oder eine andere Dienstleistung, geschickt an den Mann bzw. die Frau zu bringen ist.

Ganz im Sinne des alten sozialdemokratischen Haudegens Franz Müntefering „Opposition ist Mist!“, genügt es auf dem Markt der politischen Meinungen und vor allem der politischen Macht nicht, sich mit dem zweiten oder dritten Platz oder gar der Opposition zufriedenzugeben. Völlig falsch ist es, einen politischen Fehler oder Irrtum zuzugeben, wie es kürzlich Angela Merkel und Andrea Nahles mit Inbrunst und Horst Seehofer mit hinterlistigem Zustimmen tat. Dieses mag auf den ersten Anhieb zwar sympathisch klingen, ist aber völlig naiv.

Einen Irrtum zuzugeben, ist auf dem Markt im Grunde genommen Selbstmord, so als würde man zugeben, verdorbene Ware angeboten zu haben. Auch im politischen Geschäft gilt der Grundsatz: Nichts macht erfolgreicher als der Erfolg selbst.

Schon nach den ersten Hochrechnungen in Bayern liefen bei uns die Telefone heiß. Endlich haben die politischen Parteien es eingesehen, dass sie unsere Hilfe brauchen. Sie brauchen uns, um all das, was sie tun und vor allem auch von ihren Wählern an Stimmen zurückerhalten, egal, wie dies auch aussieht, nicht unbedingt verbuchen, sondern in erster Linie als Erfolge verkaufen zu können.

Aktuelles Beispiel ist die Wahl am 10. Oktober in Bayern und vor allem das Wahlergebnis. Unsere Aufgabe wird es sein, für jede der Parteien das erreichte Ergebnis als Erfolg darzustellen. Zur Verdeutlichung einige Stichworte zu Beispielen, die Sie dann, und das ist Ihre erste Aufgabe, weiterverarbeiten können.

Die CSU ist der eigentliche Sieger, weil sie nicht so viel verloren hat, wie vorausgesagt wurde. Und damit den anderen und auch den Wahlforschern ein Schnippchen geschlagen hat.

Die FDP spielt wieder mit und bietet deren Top-Verkäufer Lindner die Arena, den Menschen die Meinung zu verkaufen, die Liberalität schmecke am besten aus dem Hause Lindner & Kubicki. Außerdem wäre es ihr gelungen, eine Strategie zu fahren, bei der sie nicht zu viel und nicht zu wenig Einsatz zeigen musste. Das ist im liberalen Sinne wirtschaftlich pur! 5,1 spricht dafür.

Die Freien Wähler sind die einzigen wirklichen Freien. Sie sind frei von Programm und so frei, den Christsozialen freiwillig die Steigbügel zu halten.

Die AFD hat vor der Wahl Interesse an uns signalisiert, jedoch aber abgesagt, weil sie der Meinung ist, sie brauche überhaupt nichts zu tun und nur auf die Fehler der anderen warten. Selbst etwas zustande zu bringen, wäre für ihren Erfolg ja geradezu kontraproduktiv. Meine Damen und Herren, ich bin aber sicher, dass sie über kurz und lang bei uns um Rat nachfragen können, denn nichts tun muss als Produkt ja auch verkauft werden müssen.

Die Grünen haben so viel Stimmen bekommen, dass sie sich leisten können, die Opposition nahezu alleine zu bilden. Die Sonnenblume als ihr Symbol lädt zum Sonnen im Erfolg ein.

Die SPD hat die große Chance, wie bei jeder Katastrophe, wieder ganz von vorne anzufangen. Sie kann auf alle Fälle nicht einmal so verlieren, wie sie innerhalb einer Wahlperiode schon verloren hat und ist auf festem Boden, dem Untergrund gelandet. Ihr hilft nur die mit verzweifeltem Mut verbreitete Losung „Totgesagte leben länger!“

Und wenn die Anderen, die immerhin 5,4 % erreicht haben, uns fragen, können wir ihnen den guten Rat geben, beim nächsten Mal anders anders zu sein.

 

 

Auch wenn die katholische Kirche doch keinen Beistand für einen Wahlerfolg der CSU leisten konnte, auch nicht durch ein Wunder – Söder hat anscheinend nicht einmal den Versuch gemacht, demonstrativ über das Wasser zu gehen – ist es doch wichtig, sich mit dem Einfluss dieser Institution etwas näher auseinanderzusetzen. Dabei setzen wir uns mit der Idee auseinander, über eine katholisch definierte Sprachregelung Kirchen gläubige Menschen zu erziehen. Und dazu braucht man ein

Katholisches Glossar, ein eigenes katholisches Wikipedia

Satirischen Gerüchten zur Folge, plant der Vatikan ein katholisches Glossar, also ein abgesegnetes Wikipedia. Damit soll die Deutung der Welt endlich wieder in katholische Hände gelangen und somit der Schwund der Kirchgänger aufgehalten, wenn nicht sogar rückgängig gemacht werden. Brettl-im-blog bemüht sich mit allen satirischen Mitteln um den Auftrag, die Koordination dieses weltumfassenden Unterfangens zu übernehmen und sucht heute schon nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die einzelnen, katholisch zu interpretierenden Stichwörter.

Der wichtigste Beitrag zum Buchstaben A ist schon vom Papst Franziskus selbst formuliert worden. Es geht um die Abtreibung. Deren Verteufelung als Auftragsmord, ist nach päpstlichem Verdikt unumstößlich festgeschrieben. Eine solche Diktion hätte dem zunächst für liberal gehaltenen Oberhirten keiner zugetraut, da er doch einen bescheidenen Wohn- und Lebensstil pflegte und sogar einen Kleinwagen fährt, von dem man allerdings noch nicht genau weiß, ob er die Umwelt mit Feinstaub belastete.

Für die übrigen Buchstaben des geplanten Glossars, gibt es keine Vorgaben aus dem Vatikan mit Ausnahme des Buchstabens Z. Zölibat darf auf keinen Fall mit Unterdrückung eines natürlichen Bedürfnisses und schon gar nicht mit einem von Gott gegebenen in Verbindung gebracht werden. Auch nicht mit einer indirekten Anstiftung zum Missbrauch Schutzbefohlener und auch nicht (auf energische Initiative der der katholischen Vermögensverwaltung hin) mit dem Rückfall eines möglichen Erbes an die katholische Kirche.

 

 

Brettl-Fundstück

Schließlich wollen wir dieses Mal – ausschließlich unseren Hörern – ein kleines politisches Fundstück in Form eines (un)melodiösen Kommentars nicht vorenthalten, das uns freundlicherweise im eigentlichen Wortsinne zugespielt wurde:

(aus dem Programm „Nur Mut!“ www.sarah-hakenberg.de)

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