SatirSpiegel im brettl-Format v. 16. Juni 2018

Sport Spott

Jetzt geht’s los! Endlich wieder Fußball satt. Endlich wieder ein Thema, mit dem sich Interpreten aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Feldern gleichermaßen befassen können, endlich ein Thema, bei dem es nicht um Amerika first geht, denn die USA sind diesmal last, im Sinne von nicht dabei. Da ist Trump also wohl zu spät Präsident geworden. Sonderzölle für Tore sind nicht in Aussicht.

Selbst Philosophen wie Peter Sloterdijk haben sich dieses Themas angenommen und die Spiele der Nationalmannschaft als den letzten Ort beschrieben, an dem sich moderne Nationen als Erregungsgemeinschaft zusammenschließen. Gott sei Dank, solch eine Begrifflichkeit hilft einem, der sich als Intellektueller fühlt oder von den anderen so ausgesondert wird, seine Fußballbegeisterung und seine ungeteilte Parteinahme einigermaßen zu legitimieren. Sie hilft einem, sich aus der Scham zu befreien, jeden einzelnen der Gewinne der WM als ein historischen Ereignis in Verbindung mit der eigenen Biographie zu begreifen, Jahr, Torschütze, Nationaltrainer, den Ort, wo man das Spiel verfolgt hatte und auch den Reporter benennen zu können. Bei welcher sonstigen Erregungsgemeinschaft, lässt sich dies so offen deklarieren?

Wenn sich alle an dem Thema WM weiden, kann man die Politik nicht ausschließen. Dafür haben die Gazetten und die sie bedienenden Politiker schon reichlich gesorgt.

Vorab wirbelten schon Mesut Özil und Ilkay Gündogan die demokratische Spielkultur durcheinander und das in Kombination mit dem derzeit härtesten demokratischen Vorstopper Europas, Recep Erdogan. Beide deutsche Nationalspieler haben dem Türkischen Präsidenten ein Trikot ihres gegenwärtigen englischen Fußballclubs überreicht mit weltweit verbreitetem Fotoshooting.

Grobschlächtig haben sich Politiker wie z.B. Weidel, die Alice aus dem nationalistischen Wundenland und auch die Öffentlichkeit auf das Foto gestürzt und mangelnde Integration festgestellt, und sogar den Ausschluss aus der deutschen Nationalmannschaft gefordert. Ätsch, rein gefallen! Da haben sich alle durch die feinen Tricks, wegen derer die beiden überhaupt deutsche Nationalspieler geworden sind, täuschen lassen. Nicht aber brettl-im-blog. Eine detaillierte und zeitraubende Analyse konnte dies zu Tage fördern. Wir lassen unsere Leser und Hörer an der Recherche in gebotener Kürze gerne teilhaben. Erinnern Sie sich noch an das Foto in der Umkleidekabine, das vor 8 Jahren anlässlich der Weltmeisterschaft 2010 gemacht wurde. (Der grüne Hosenanzug mit Merkel drin, reicht Özil, der oben herum nackt ist, die Hand)

Foto Quelle: DER SPIEGEL 19. Mai 2018 S.39

 

Erinnern Sie sich auch noch an die heftige Diskussion, die dieses Foto auslöste. Unverkennbar die Machtdemonstration des Hosenanzuges im Vergleich zu dem halbnackten Gladiatoren. Wer weiß, wie gut erzogen sich junge Männer mit Migrationshintergrund (im Vergleich zu unflätigen deutschen Jugendlichen) verhalten können, kann erahnen, welch feines Ansinnen sich bei dem jungen Mesut, innerhalb der 8 Jahre herausgebildet hat, die inzwischen vergangen sind. Um einen Ausweg aus der potenziellen peinlichen Situation vorbereitet zu haben, falls die Machtträger bei dem Besuch der Kabine ihrerseits die Hüllen fallenzulassen, um Egalität zu signalisieren, (man darf sich das schon aus staatspolitischen Gründen in den vorliegenden Fällen gar nicht vorstellen) haben sie für diese etwas zum Anziehen mitgebracht. Dass es gerade auf Erdogan trifft, darf als reiner Zufall angesehen werden.

Foto Quelle: DER SPIEGEL 19. Mai 2018 S.38

 

Sehr sensible Beobachter werden gerade in diesem Bild eine fein und trickreich versteckte Kritik an Erdogan erkennen, die Özil mit Gündogan gleichermaßen teilt und die nur von so wachen Geistern wie Klaus Stuttmann endeckt und auch entlarvt werden können.

www.stuttmann-karikaturen.de/karikatur/6731

 

Fernsehcorrectness

Ein Gebet an die hohen Priester der Correctness

Ich danke Dir, lieber Gott oder wem auch immer, dass Du mich allmählich von der sündigen Last des Frivolen befreit hast, dem mich das Fernsehprogramm über Jahre hinweg ausgesetzt hat. Die Frauen, die Du nun in den Vorabendprogrammen zeigst, sind inzwischen alle quadratisch – praktisch – gut und von einer kameradschaftlichen Art, dass sie dem männlichen Zuschauer schnell den Gedanken abhanden kommen lassen, es handele sich hier um Objekte männlicher Begierde. Ob als Landärztinnen, als Dorfhelferinnen oder als Wasserpolizistinnen, sie sind zupackend geschlechtsneutral, entsprechen also im Grunde genommen voll dem Gesetz der Correctness mit Ausnahme eines Merkmals des dritten Geschlechts, hier gibt es anscheinend noch keine fernsehtauglichen Verhaltensmuster.

Ich danke Dir, dass Du Werbung aus dem Schirm ausgemerzt hast, die eindeutig der sexuellen Stimulanz dienten. Danke, dass du – wie bei der Werbung für ein Schlankheitsmittel nicht mehr eine sündhaft schöne Frau mit geschlossenem Mantel, die Treppe hinauf high-heelen lässt, den sie dann öffnet, wenn ihr Gastgeber auf sie zugeht[1].

So bin ich nicht mehr gezwungen meinen halbwüchsigen Kindern, die gerade erst begriffen haben, dass ein Mann, der plötzlich seinen Mantel öffnet, ein Böser ist, nun zu erklären, warum dies nun eine Frau tut, zudem mit einem schön hässlichen Hund an ihrer Seite. Danke, dass Du sie nicht mehr so sexy in ihrem Loft tanzen lässt, dass sich das ganze Bürohaus neben an ihr zuneigt, weil die Männer ihre Heiratsangebote an die Fenster kleben. Danke, dass Du die Strandschönheit im gelben Bikini nicht mehr an den Rettungsschwimmer vorbeilaufen lässt, damit diese ihre Aufmerksamkeit wieder auf die von Ertrinken bedrohten Badenden lenken, und nicht nur auf die schlank ernährten Rundungen im gelben Bikini. Wenigstens hast Du in diesem Clip schon noch eine Frau eingeblendet, die nicht lasziv, sondern in kecker Kumpelart, ihrem Partner in den Bauch kneift. In der erneuerten Werbeform purzeln die Personen so schnell durcheinander, dass keine Zeit für die Augen bleibt, sich genüsslich zu weiden.

Danke, dass Du die Werbung inzwischen auf die wesentlichen Dinge im Leben in ständig sich wiederholender Schleife aufmerksam machst. So z.B. auf den Reizdarm, es ist doch wichtiger, wenn man gerade kurz vor dem Abendbrot nochmals darauf hingewiesen wird, was eine Stunde nach dem Essen auf einen zukommen kann: Blähungen und Durchfall. Danke auch für die geschickte Vermittlung des Idealbildes einer Ehe. Ein Paar, das sich in trauter Gemeinsamkeit unter seiner oder ihrem Reizdarm versammelt, und das in abwechselnder Betroffenheit; sehen wir einmal davon ab, dass das dritte Geschlecht unberücksichtigt bleibt. Und, was in seiner Bedeutung möglicherweise völlig untergeht, es wird auch eine Lösung angeboten. Ein Medikament, wirksam wie ein Pflaster. Und genau das ist es: Pflaster statt Laster!!

[1] Eine Anmerkung für Werbemuffel: Wer nicht versteht, auf was wir dabei anspielen kann im Internet unter Almased Werbung diese fundamentale Wissenslücke schließen – Achtung! dies ist keine Werbung, wenigstens nicht für das Produkt

 

 

Richtigstellung

Sie haben sich doch wieder ganz doll lieb!

All denjenigen, die sich angesichts der Bilder in der letzten Ausgabe von brettl-im-blog Sorgen um den Zustand der verbliebenen Liberalen im Lande gemacht haben: die beiden verstehen sich wieder sicht- bzw. vorzeigbar, wobei hinter dem Rücken von Wolfgang Kubicki allerdings noch viel Platz bleibt.

Foto Quelle: Stuttgarter Zeitung 14. Mai 2018 S.4    dpa

 

 

1 Kommentar

  1. Lieber Lothar,
    mir gefällt Deine humorige Kunst sehr gut, vielen Dank und herzliche Grüße aus dem Urlaub von der Riviera dei Fiori.
    Erwin

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