SatirSpiegel im brettl-Format v. 19. September 2018

Ungeduldig haben unsere Leser und Hörer auf die Fortsetzung der Bahntrilogie gewartet, deren zweiten Teil wir nicht mehr länger zurückhalten wollen. Dies liegt auch daran, dass wir zu dem ersten Teil dieses Beitrags, doch einige Rückmeldungen erhalten haben. Die meisten positiv, eine deutlich negativ. Ungeachtet oder gerade deshalb hier der zweite Teil der Trilogie:

Deutsche Bahn
zwischen politischem Verschiebebahnhof, technischer Innovation,
Marketing und schlichtem menschlichem Verhalten

2. Teil der Trilogie

 Meine Damen und Herren, nach einer satirisch bedingten Störung geht es weiter im ICE 1094 Richtung Hamburg

Als weiterer Komfortträger wird das Bordrestaurant angepriesen. Dieses bietet nach der Beschreibung der DB „Platz für 22 Gäste, die im neu gestalteten Ambiente ihre Speisen und Getränke genießen können“. „Platz bieten“, distanzierter und treffender kann man das Restaurant kaum beschreiben. Eine wohlige Atmosphäre vermisst man vollends. Man sehnt sich bei dem Blick in diese Klein-Kantine nach der Romantik der Speisewagenkultur in den alten Schwarz-Weiß-Filmen. Es wirkt so, als hätte man in ein etwas umgestaltetes Abteil, ein paar Tische und Bänke hineingestellt.

Das angrenzende Bordbistro ist nach Selbstbeweihräucherung der DB „großzügig und modern mit offenem Thekenbereich sowie einer geschwungenen Vitrine ausgestattet, wo die Ware ansprechend präsentiert wird“. Sollten die DB Macher tatsächlich der Meinung sein, dass das Bistro großzügig sei, so liegt dies vor allem daran, dass es eigentlich auf einen Aufenthaltsraum zum Anstehen am Tresen reduziert wurde. Sitzmöglichkeiten wie in den alten ICEs fehlen. Es gibt lediglich einige Abstellmöglichkeiten, auf einem Bistrotisch und einigen Seitenablagen, die man allerdings eher zum Festhalten braucht, wenn der Zug durch heftiges Schlingern deutlich macht, dass er an Fahrt gewonnen hat und sich nun seiner eigentlichen Funktion zuwendet, möglichst viele Menschen möglichst schnell zu einem Zielort zu bewegen. Es geht dann nicht mehr um das Reisen, sondern um das „Transportiert werden“. Und die Reiseerlebnisse verlagern sich auf die Mühe, sich soweit statisch abzusichern, dass man nicht stürzt, wenn man sich etwas vom Tresen holt. Vielleicht wäre es sinnvoll, am Tresen noch die Möglichkeit zu schaffen, kurzfristig eine Unfallversicherung abschließen zu können.

In unserem Selbstverständnis als Dienstleiter, und als Zeichen unserer ökonomischen Unabhängigkeit, stellen wir gleich mehrere Anbieter zur Auswahl. Und noch ein zusätzlicher Tipp. Benutzen Sie beim ersten Schlingern möglichst umgehend die Möglichkeit der Echtzeitüberweisung. Die materielle Sicherheit ihrer Familie sollte Ihnen die zusätzliche Gebühr von 2 € Wert sein.

Die Unfallgefahr steht allerdings dazu noch in keinem adäquaten Verhältnis zu dem, was man am Tresen erwerben kann. Steigt man z.B. in der Brezel-Hauptstadt Stuttgart ein und bemüht sich um eine Brezel, bekommt man zur Antwort, diese seien schon ausverkauft. Fragt man ungläubig nach, wie das denn am Startbahnhof geschehen könnte, bekommt man mit vorwurfsvollem Unterton angesichts einer solcher Renitenz zu verstehen, diese wären schon bei der vorherigen Tour in Hamburg ausverkauft gewesen. Beim dritten oder vierten Versuch einer Nachfrage zieht man schließlich mit einer eingeschweißten Vollkornschnitte von dannen und versucht diese durch die schlingernden Wagons wie eine Trophäe an den Platz zu tragen. Vorher muss man genau abschätzen, wann man seinen einigermaßen gesicherten Stand kurz aufgibt, um für Sekundenbruchteile freihändig das erworbene Gut in Empfang zu nehmen. Dann, wohlgemerkt, wenn man so richtig in Fahrt ist, fängt man an, die zu Anfang missmutig beäugte Enge der Gänge zu schätzen. Die Sitze und vor allem deren Armlehnen, verringern die Amplitude des eigenen körperlichen Ausschlagens und reduzieren die Anzahl der blauen Flecken, die man sich als mutiger Reisender dennoch zuzieht.

Jetzt kann man nachvollziehen, warum gerade in diesem ICE-Typ die Bahnmitarbeiter und (ohne antifeministische Intention) auch die Mitarbeiterinnen häufig über einen so niedrigen und vor allem auch ausgeprägten Schwerpunkt verfügen; letztendlich verschafft dies Standpunkt. Um den möglichen Vorwurf einer antifeministischen Verzerrung zu entgegnen, fordere ich alle Leser und Hörer auf, einen konstruktiven Beitrag zur Verifizierung oder Falsifizierung der gewagten These zu leisten und eigene Messungen beizusteuern. Es genügt dabei ein durch Fielmann zertifiziertes Augenmaß. Sollten die so gewonnenen empirischen Ergebnisse meinen bisherigen Annahmen widersprechen, werden wir diese unverzüglich korrigieren und unser kostenfreies Bedauern zum Ausdruck bringen.

Erfahrene Bahnfahrer, wie der Autor dieses Beitrags, verfügen normalerweise über Strategien, die mit den Bahnfahrten verknüpften Gefahren zu minimieren. Diese allerdings verfangen im konkreten Fall nicht. Der Tipp, sich nur an den Bahnhöfen, also dann, wenn der Zug nur noch etwas nachvibriert durch die Wagons zu bewegen, führt eher zu einem frustrierenden Verzichtgefühl, da es zwischen Frankfurt HBF und Kassel-Wilhelmshöhe, also für eineinhalb Stunden keinen Halt gibt.

Die im Grunde genommene naheliegende Chance zu nutzen, gerade in dieser reichlichen Zeit das als Restaurant benannte Zugabteil zu nutzen, um gemütlich zu essen, scheitert nicht nur an der fehlenden gemütlichen Atmosphäre, sondern daran, dass es das, was auf der Karte alles steht, so alles nicht gibt. Das könnte nun auch die Ausgangssituation für ein Spiel sein in der der Gast, seinen Essenswunsch äußert und der Kellner jeweils mit einer anderen Begründung versucht zu erklären, warum es dieses gerade nicht gibt. Und wenn man dann tatsächlich einen Glückgriff gelandet hat, gibt es noch die Variante, dass man den kulinarischen Volltreffer nur in den Plastikbehältnissen, in denen die Speisen aufgewärmt werden, serviert bekommen kann, weil gerade die Spülmaschine defekt ist.

Bei Fahrgästen, die irgendwie etwas mit Personalentwicklung oder-auswahl zu tun haben, könnte der Verdacht aufkommen, dass es sich hier um ein Assessment Center handelt, durch das spätere Führungskräfte ausgewählt werden. Mindestens zwei der drei bis vier anwesenden Gäste müssten dann wohl Assessoren sein, wie die Beobachter in solchen Verfahren genannt werden. Die konkrete Aufgabe hieße in diesem Fall: wie geht der Proband mit Krisensituationen um. Als Vorbild bei einer entsprechenden Schulung könnte der vom Autor beobachtete Fall sein. Der Kellner stellt sich in die Mitte und hub an: „Ich weiß, Sie werden jetzt alle wieder gerne auf die Bahn schimpfen. Überlassen Sie dies uns Mitarbeitern, die wir die Fehler weiter melden und die Angelegenheit einfach versuchen in den Griff zu bekommen. Ich sage Ihnen nun einfach, was es noch gibt“. Mitschreiben musste keiner, denn selbst bei mittelmäßigen psychologischen Testergebnissen: Bis 3 Dinge können sich viele noch vieles merken.

Vergessen Sie dies alles nicht bis zur Fortsetzung in der nächsten Ausgabe

 

 

Sicherlich mehr als einer Dreierfolge wird unsere Auseinandersetzung mit der hiesigen Regionalpresse werden, die unweigerlich Thema bleiben wird. Ein Glück, dass durch die Vielfalt der medialen Möglichkeiten das Monopol der Meinung machenden Verlage gebrochen ist. Wir wollen dies nutzen. Diesmal geht es um die Entwicklung der regionalen Presse zu einem umfassenden Veranstaltungsunternehmen, das leider auch mit den dort üblichen Werbemethoden agiert. Wir packen unsere Kritik in einen Leserbrief:

Aus der HAZ-Ecke „Leser Lob“ – Dankschreiben aus aller Welt

Liebe Frau HAZ. Lieber Herr HAZ,

zunächst einmal ganz herzlichen Dank für die Einladung zum Besuch eines Vortrages über reizende Reiseziele, die Sie mit einem Reiseunternehmen veranstalten. Und dies sogar mit einer gedruckten Einladungskarte auf meinen Namen, persönlich ausgeschrieben und ich darf sogar noch 3 Begleitpersonen mitbringen, die, wie ich auch, noch ein Essen spendiert bekommen, das ich mit meiner Anmeldung gleich vorbestellen kann. Und wenn man sich nicht mit einer Salatplatte begnügen mag, darf man sogar zwischen Fisch an Dillrahm und Kassler mit Sauerkraut wählen. Stolz habe ich die Karte auf meinem Tisch liegen lassen und zwar so, dass sie meine Kolleginnen und Kollegen und meine Besucher auch sehen können.

Und siehe da, sie wurde wahrgenommen. Aber nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Schar derer, die sich bei mir in Schlange anstellten, um als Begleiter oder Begleiterinnen mitgenommen zu werden, ist bei null geblieben. Nur einer hat sich gemeldet, aber anders als gedacht.

Mein Neffe, der irgendetwas Sozialkritisches studiert hat – das hat man davon, wenn man die Kinder etwas werden lassen will- war wahrscheinlich vom Neid so getrieben, dass er mir Ihre freundliche Einladung richtig vermiesen wollte.

Die Einladung hätte den billigen und durchsichtigen Charakter von Werbemaßnahmen zur Teilnahme an Glücksspiel-Veranstaltungen. Damit hätte meine Zeitung ein Kaffee-Fahrtniveau erreicht, die lediglich dazu dient, irgendwelche mehr oder weniger nutzlose Dinge zu verkaufen. Und zynisch tröstete er mich sogar, ich brauche wenigstens keine Angst zu haben, dass mir dabei Heizdecken angedreht würden, denn immerhin hätte auch diese Zeitung wenigstens den Restwert des Papiers, mit dem man sich vor Kälte schützen könnte. Der nicht wohnungs-, sondern meinungslose Clochard, zugedeckt mit meiner Regionalzeitung, dieses Bild hat doch eine erschreckend sarkastische Faszination. Und mein Neffe, der ewige Nörgler setzte noch einen drauf und sagte, was ich mir sogar auswendig gemerkt habe: „Statt solch manipulative Werbemethoden kritisch zu beleuchten, macht diese Zeitung sie sich selbst zu eigen. Dies ist für eine aufklärende Presse geradezu absurd!“

Als jahrzehntelang braver Leser ihrer Zeitung, jetzt zusätzlich noch eingewoben durch das von Ihnen gesponnene Netzwerk RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) wehre ich mich selbstverständlich gegen alle solche satirischen Gedanken und Lüste und besinne mich darauf, was mir schon in meiner schwäbischen Jugend eingetrichtert wurde „Was im Blättle steht stimmt“, denn da ist es schwarz auf weiß festgehalten. Demnach meinen es auch diejenigen, die dieses Blättle bestimmen, nur gut mit ihren Lesern. Also kämpfe ich gegen all diese gedanklichen Versuchungen, wie sie mein Neffe geäußert hat, an. Zur Buße werde ich von den ihrer redaktionellen Hülle beigelegten Prospekte in der nächsten Ausgabe jeweils ein Produkt kaufen.

Vielleicht können Sie mir dann aber auch noch ein Stück entgegenkommen und mir in Zukunft die HAZ kostenlos zukommen lassen. Damit wäre uns beiden gedient. Sie können ihrer eigentlichen Zielgruppe, den Werbekunden versichern, dass ihre Werbung in der HAZ erfolgreich ist und ich bekomme Orientierungshilfe, für was ich in Zukunft mein Geld gezielt ausgebe. Ansonsten bleibt nur noch die Zeitung als Zudecke, die aber mit Ausnahme von Sonntag täglich gewechselt wird. Immerhin auch ein Vorteil!

Ihr braver Regionalleser

 

 

Im Grunde genommen haben wir gegenwärtig in der politischen Landschaft gewichtigere Probleme, so wie das Erstarken und Lauterwerden der rechten Szene. Z.T. sprechen die Ereignisse für sich selbst und erscheinen manchmal fast zu ernst für eine satirische Betrachtung. Brettl-im-blog greift dennoch eines heraus, das in der Öffentlichkeit wohl am stärksten Eindruck vermittelt hat: 

Weiße Rose als Waffe

Weiße Rose als Waffe missbraucht. Wie viel Insensibilität und historische Unkenntnis, zeigten Leute wie Björn Höcke und Konsorten, als sie sich in einen schwarzen Anzug zwängten und sich mit einer weißen Rose bewaffneten. Gerade das Zeichen des Widerstands gegen den Faschismus vor sich her tragend könnte aber auch als Provokation gedeutet werden. Zudem wussten sie wohl nicht, um wen sie trauerten. Daniel H. hatte selbst Ausgrenzung erfahren, da sein Vater aus Kuba stammte. Er trat deutlich nationalistischen Tendenzen entgegen und erwies sich als Anhänger von Martin Luther King und dessen Appell nach Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit.

Vielleicht könnte man diesen absurden Widerspruch zwischen geheuchelter Anteilnahme und dem Menschenbild des Opfers deutlich machen, wenn man die öffentlich gezeigten Filmausschnitte über den inszenierten Trauermarsch einfach rückwärts laufen ließe.

 

 

Und wenn wir schon Ereignisse aufgreifen, die am rechten Rande platziert sind, liegt die CSU als Thema nicht fern. Sie wird von brettl-im-blog sogar hinsichtlich ihrer Rolle als Umweltschützer gelobt, allerdings eingeschränkt auf den politischen Müll:

Sensation im Umweltschutz:
Die CSU erfindet eine Methode, Müll wieder verwertbar zu machen.

Wie die Partei selbst immer wieder nachweist, lässt sich vor allem politischer Müll so behandeln. Die Methode ist im Grunde genommen alt und heißt: umetikettieren. Einfach auf die braunen Müllsäcke das Etikett CSU aufkleben und so wird aus Sicht der Christsozialen der Inhalt demokratisch. Das ist es wohl, was Franz Josef Strauß einst forderte „rechts von der CSU darf es keine andere Partei geben!“

Die CSU wird damit dem Anspruch aus ihrem Kürzel gerecht werden. CSU als Abkürzung für Copy Shop Unikat. Konkret bedeutet dies, dass Altes kopiert, zusammengeheftet und als Eigenkreation deklariert wird. Nicht von ungefähr haben hier der Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg und auch der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer ihren besonderen Platz gefunden, dem bei seiner Arbeit zur Erwerb des Grades eines PhDr.an der Karls-Universität Prag (ein Art Doktor light, die Red.) Vergleichbares vorgeworfen wurde.

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