SatirSpiegel im brettl-Format vom 2. Januar 2019

Neujahrsansprache des Chefautors der „brettl-im-blog GmbH
(Gesellschaft mit besorgtem Blick)“

Es ist ja schon eine Tradition, dass es der Chefautor von brettl-im-blog gleichermaßen als Ehre wie auch als Pflicht empfindet, seine Leserinnen und Leser und seine Hörerinnen und Hörer und wer immer dieses satirische Werk, auf welche Weise auch wahrnimmt, mit einer Neujahrsbotschaft in das neue Jahr zu führen. Althistoriker haben inzwischen ermittelt, dass diese Tradition schon bis in das Jahr 2017 (allerdings n.Chr.) zurückreicht. Dass er in seiner Rede Anleihe bei den politischen Persönlichkeiten nimmt, die dies für dieses Jahr schon erledigt haben, ist unausweichlich.

Tun Sie, liebe Freundinnen und Freunde des SatirSpiegels ihm Ihrerseits die Ehre an, seinen Worten zu lauschen oder ihn zu lesen. Er nimmt dabei – wenigstens einmal im Jahr – die Gelegenheit wahr, sich Ihnen auch bildlich zu nähern.

Tondatei

Liebe Mitbrettlerinnen und liebe Mitbrettler, und alle, deren Geschlecht möglicherweise in Zukunft eine juristische Anerkennung erfährt.

Lassen Sie mich das neue Jahr, das ab jetzt vor allem unter dem Gesichtspunkt der Correctness steht diesem Anspruch gleich praktisch gerecht werden und meine Rede mit einer freimütigen Offenbarung, beginnen. Nicht jeder, der ein Spitzenamt innehat, wie die des Chefautors eines so großen Unternehmens wie die brettl-im-blog GmbH, also unserer Gesellschaft für besorgte Haltung, schreibt die Worte, die er an die Öffentlichkeit richtet, selbst. Er hat dafür einen Ghostwriter. Mir wurden sogar zwei zugestanden. Erlauben Sie mir, dass ich meine zu Beginn wenigstens kurz erwähne. Die eine von meinen Ghosties heißt Angela und der andere heißt Walter. Deren Auswahl erfolgte unter strengen Gesichtspunkten der Correctness, die eine also eine Frau, der andere somit ein Mann. Die eine aus den neuen Bundesländern, der andere aus den alten. Die eine namentlich aus dem vorderen Teil des Alphabets, der andere aus dem hinteren, die eine von der CDU, der andere von der SPD.

Beiden danke ich ausdrücklich für ihre Vorarbeit, wobei Walter doch zunächst fleißiger schien als Angela. Seine Manuskriptvorlage umfasste exakt 894 Wörter bei 5854 Zeichen die von Angela nur 806 Wörter bei 5273 Zeichen. Heißt dies, dass Walter fleißiger war? Summarisch mag man dies annehmen. Doch, wenn man den vom wissenschaftlichen Dienst von brettl-im-blog entwickelten ZPW-Index, d.h. den Zeichen-pro-Wort-Index erstellt (also den Quotienten aus benutzten Zeichen – Buchstaben und Zahlen – und den damit erzielten Wörtern) gewinnt man ein überraschendes Ergebnis. Der arithmetische Wert entspricht bei beiden 6,4. Für diejenigen, die das Fach Mathematik bei ihrem Schulbesuch früh abgewählt oder wenigstens gedanklich ignoriert haben, eine hilfsweise Erklärung: Beide benutzen für jedes der von ihnen geschrieben oder gesprochene Worte durchschnittlich 6,4 Buchstaben. Dazu gehören noch bei beiden rund 15% Leerzeichen, ein Phänomen, das vor allem für politische Äußerungen von großer Bedeutung ist.

Wenn dies nicht ein gutes Zeichen ist, für eine gleichberechtigte gemeinsame Regierungsarbeit – auch wenn sie gemeinsam in den Abgrund führt. Aber auch dies würde dem geliebten Prinzip der Correctness voll entsprechen. Die Große Koalition als Mittel für die Correctness Kultur CoKu durch GroKo, ist das nicht ein wunderbares Motto für unsere Zukunft und die unserer Kinder?!

Lassen Sie mich nach diesen doch zentralen Vorbemerkungen zu den inhaltlichen Aussagen kommen. Beide blicken in ihren Vorlagen auf das vergangene Jahr zurück und kommen zu folgendem Ergebnis:

Wenn wir auf all die anderen sehen, denen es schlechter geht, geht es uns objektiv gut. Die einen meinen das stimmt, die anderen meinen, das stimmt nicht. Da wir auf die Meinungen der Bevölkerung Rücksichtnehmen müssen, weil wir – vor allem die, die nichts Anderes gelernt haben – davon leben, ist dies natürlich ein Problem.

Also müssen wir als Zielsetzung für das nun beginnende Jahr etwas tun. Sollten wir tatsächlich eine Regierung hinbekommen, ist die durchaus bereit, sich dieses Problems und all der anderen kleinen Unzulänglichkeiten anzunehmen. Lassen Sie uns aber nicht vergessen, wir leben in einer Demokratie. Dort geht die Staatsgewalt vom Volke aus. Damit ist dieses aber auch in erster Linie verpflichtet zur Lösung des Problems, das durch dessen unterschiedlichen Meinungen erst entsteht, den entscheidenden Beitrag zu leisten.

Nur eine Gruppe kann sicher sein, dass sie im nächsten Jahr nicht schlechter da stehen wird als im vergangen Jahr. Es sind diejenigen, die sich der Satire verschrieben haben, ob als Autor oder als Rezipienten. Warum ich mir da so sicher bin, ganz einfach weil diejenigen, die den Grundstoff für Satire liefern, nicht weniger werden und deren Produktivität garantiert nicht abnehmen wird.

In diesem Sinne, also nur Mut und bleiben Sie soweit gesund, damit Sie auch im nächsten Jahr meine Ansprache wieder miterleben können.

Und noch einige wichtige Nachricht zum Schluss: Diese Ansprache umfasst 4476 Zeichen, verteilt auf 665 Wörter und erweist sich mit einem ZPW Index von 6,7 als effektiver denn die Vorlagen von Angela und Walter. Dies ist zweifellos ein Argument, das auch für die Freien Demokraten von Bedeutung sein könnte.

Merke(l)n Sie sich das, bitte!

Man macht sich in solcher Zeit so manchen Gedanken

Es sind ja nicht nur die großen politischen Entscheidungen, die unsere Welt prägen, sondern auch die kleinen Sorgen und Nöte, die unser Leben ausmachen. Zum Glück gibt es sozial eingestellte Institutionen, wie die Regenbogenpresse, die uns dies nicht vergessen lassen und uns vor allem mit der Botschaft trösten, dass es die Reichen oder die Berühmten, oder die beides zugleich sind, auch nicht immer so leicht haben. Seien wir dankbar, dass wir in Deutschland solch ein Beispiel haben.

Solo-Dialog Boris Becker

Wenn Text und Ton in diesem Beitrag nicht immer synchron laufen, liegt dies nicht zuletzt daran, dass die Gedankensplitter im Kopf eines Autors, die in einem Solo-Dialog ausgesondert werden, doch noch nicht so geordnet und in Form gebracht sind, dass sie in einer schriftlichen Fassung der Nachwelt elaboriert hinterlassen oder als Müll in regelgerechter Trennung entsorgt werden können.

Tondatei

Meinen Sie nicht auch: Irgendwie ist das doch alles komisch mit dem Becker. Muss man den nun verehren, muss man ihn verdammen oder muss er einem nur leid tun?

Wissen Sie, neulich war er doch in Hannover. Da hat er die Nachwuchsspieler im Tennis besucht und einige Tipps gegeben. Sogar der niedersächsische Innenminister Pistorius ist gekommen, anscheinend ein erfahrener Persönlichkeits-Scout – er ist ja inzwischen mit der Doris Schröder-Köpf liiert (also der vorletzten Ehefrau vom vorletzten Bundeskanzler). Dabei hat der Pistorius – zufällig oder auch nicht zufällig ebenfalls Boris mit Vornamen – in aller Öffentlichkeit gelobt, dass sich so eine Persönlichkeit wie Boris Becker um die Jugendarbeit kümmert.

Zuerst habe ich wirklich gedacht, er hat Becker mit Michael Stich verwechselt. Na ja, der muss nun aber nicht beleidigt sein, dem war nicht so.

Der Minister meinte tatsächlich nicht den Hamburger, sondern tatsächlich den Leimener.

Sagen Sie: Ist ihrer Meinung Boris Becker eine Persönlichkeit? Na ja, eine Person ist er schon. Eine Persönlichkeit ist aber auch so etwas wie ein Vorbild. Wird er allein durch seine Vorliebe für den Buchstaben B schon dazu: Bobbele, Boris, Bum Bum Becker, Breakball-Brecher, Barbara, Besenkammer, Bangui (Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, in deren diplomatischen Dienst er anscheinend steht) und dann auch noch Bleite (na, ja schreibt man nicht mit B, sondern mit einem harten P – doch das dürfte ihm auch egal sein).

Also, ich frag Sie nochmals: Wird man durch einen gewaltigen Aufschlag oder durch einen Hecht, der dann auch noch nach ihm benannt wurde, zu einer Persönlichkeit? Zu einem Vorbild? Macht einen der Hecht auf dem Tennisplatz auch außerhalb des Platzes zum tollen Hecht oder gar zum Hecht im Karpfenteich? Ich frage Sie, ist Serve and Volley das richtige Lebensrezept, vor allem, wenn das Serve irgendwann verlernt wird?

Wenn jemand das Serve und andere Schläge üben möchte, muss ihm jemand die Bälle zuspielen und da hat er immer noch genügend Mitspieler zur Verfügung. Vor allem die Medien – und nicht nur die Regenbogenpresse.

Selbst Spiegel hatte ihn jüngst auf dem Titelbild, allerdings dadurch noch nicht als Vorbild geadelt. Wen hatte SPIEGEL nicht schon alles auf dem Cover? Trump, Erdogan, Putin, Seehofer, Gauland, Weidel und Sepp Blatter.

Lothar Matthäus versucht es ihm manchmal nachzumachen. Bis auf die wechselnden Frauen ist es ihm noch nicht gelungen. Halt! Sie haben doch eines gemeinsam. Sie sind Kommentatoren und haben gelegentliche Auftritte in zweitklassigem Rahmen. Na ja, Gunter Gabriel ist ja auch für ein paar Euro in Wohnzimmern aufgetreten, als er von der großen Bühne verschwunden war oder besser: verschwunden wurde.

Vielleicht laden Sie des Bobbele einmal zu sich ein, vielleicht zur Goldenen Hochzeit. Ich glaube Sie brauchen dann keinen anderen Überraschungsgast mehr. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Schließen Sie aber die Besenkammer ab, so sie eine haben.

Wo ist der kleine Unterschied?

In einer Zeit, in der man sich viele Gedanken macht, bleibt einer immer wenigstens latent bestehen und zwar die Frage nach dem kleinen Unterschied, der manchmal größer ist als man ihn klein redet. Dies betrifft auch die große Politik. Zur Verdeutlichung der folgende Beitrag:

Suchbild

Wodurch unterscheiden sich die beiden Bilder. Wer mehr als 2 Unterschiede herausfindet, bekommt die nächsten beiden Ausgaben vom brettl-im-blog kostenlos. Sowohl der Rechtsweg als auch der Linksweg sind ausgeschlossen.

Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 19. Wahlperiode des Bundestages

Quelle: Porträtfotos aus wikipedia.de

Bei dem Ritual, den auch brettl-im-blog zum Jahreswechsel pflegt, hat bislang noch eines gefehlt, ein Vorsatz, ein Leit(d)spruch bzw. eine Losung für das beginnende Jahr. Wir wollen diese Lücke füllen:

Jahreslosung 2019

(Für alle Menschen, mit denen ich nicht zusammenarbeiten muss)

Was Du heute sollst besorgen,

kannst Du auch bis morgen borgen.

1 Kommentar

  1. Lieber Lothar,

    Dein Suchbild hat mich doch herausgefordert, nach möglichen Unterschieden zu suchen.
    Dabei habe ich auf die Grundlagen der Bildbetrachtung aus meiner Schulzeit zurückgegriffen.

    Ich möchte hier zuerst auf die Hintergründe zu sprechen kommen, wobei auffällt, das der „Merkelsche Hintergrund“ doch eher düster erscheint, wogegen der „Krmpkrrnbrschrische“ noch geradezu bunt leuchtend und noch hoffnungsvoll wirkt.

    Das ist als Darsellung des Prospektiven und des Retrospektiven zu verstehen, das was die „Eine“ schon hinter sich hat, steht der „Anderen“ noch bevor.

    Als zweiten deutlichen Unterschied ist die Augenbekleidung auszumachen.
    Während A scheinbar keine Sehhilfe benötigt, ist bei „klein A“ der Bedarf an der Sehkorrektur deutlich zu erkennen.

    Hier trifftt eine Interpretation zu, welche tief blicken lässt:
    Während „groß A“ das „Ganze“ schon nicht mehr sehen will, muss „klein A“ noch genau hinschauen mit wem sie es zu tun bekommt.

    Der dritte wichtige Punkt erscheint mir aus meinem beruflichem und familiären Hintergrund erwähnenswert:

    In meinem Elternhaus gehörten Hunde irgendwie zur Familie. Und aus lauter Liebe bekamen alle ein schönes Halsband, auch Mutti.

    Da nun auch „Groß A“ ein solches trägt, und „klein A“ noch nicht ist wohl anzunehmen, dass „klein A“ noch Welpenstatus genießt.

    Die Halsbänder erfüllten natürlich neben ihrer schmückenden Eigenschaft einen viel wichtigeren Zweck…..

    beste Grüße
    Hartwig

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